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Ein Dach für alle – Der SoVD in M-V gegen Obdachlosigkeit

Aktuelles

Heute wurde eine Studie zur Wohnungssituation in Deutschland veröffentlich, zum fehlenden Wohnraum und um solidarisches Wohnen. Der letzte Begriff hat nur sehr eingeschränkt mit fehlendem Wohnraum zu tun.

Er bedeutet: „Ein Gemeinschaftskonzept, bei dem Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe in eigenen Wohnungen leben, aber durch die Nutzung gemeinsamer Räume (Küche, Garten) und gegenseitige Unterstützung (Alltagshilfe, soziale Sicherheit) den Zusammenhalt fördern und bezahlbaren, nachhaltigen Wohnraum schaffen, oft durch innovative Projekte wie Mehrgenerationenhäuser oder Genossenschaften. Es kombiniert Privatsphäre mit Gemeinschaft und zielt auf soziale Sicherheit und Inklusion, indem es Lösungen für Herausforderungen wie Alter, Armut oder Diskriminierung findet.“

Projekte dieser Art gibt es schon lange und nicht hat nur eines. Im März 2022 hatte unser Dachverband, Der Paritätische, dazu berichtet.
Weder in dem Paritäterbericht noch in den heutigen Besprechungen der Studie finden die Obdachlosen und die Menschen ohne Wohnraum gesonderte Erwähnung.

Unstrittig fehlen für Menschen, die einen Wohnraum haben, sehr oft die Möglichkeiten, in eine der Lebenssituation angepasster Wohnung, etwa aus Gründen wie größer oder kleiner, arbeitsstellennah, schulnah, elternnah usw. zu wechseln. Es fehlen auch Wohnungen für Menschen, die nach Abschluss der Ausbildung die elterliche Wohnung verlassen wollen. Und, besonders bedrückend, sehr oft gibt es für Menschen, die durch schwere Schicksalsschläge nun behindert sind, keine behindertengerechte Unterkunft.
Diesen Menschen muss geholfen werden, aber zwischen ihren Wünschen und den gesellschaftlichen Möglichkeiten steht zuerst die Sorge, um die den keinen Wohnraum haben. 

Die heutige Studie kommt auf den Punkt: Es fehlen 1,4 Millionen Wohnungen in unserem Land. Gleichzeitig wird von einem Wohnungsleerstand im siebenstelligen Bereich berichtet, ,,immerhin ja auch eine Zahl jenseits einer Million“. Dieser Widerspruch muss verständlich erklärt werden.
Wenn wir von 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen ausgehen und berücksichtigen, dass eine Familie im Schnitt vier Mitglieder hat, fehlen also Wohnungen für rund 350.000 Familien.
Der Bevölkerungszuwachs seit 2020 betrug in Deutschland rund 1 Million Menschen. Obigen Ansatz genutzt, sind wir also bei einem Bedarf von Wohnungen für rund 250.000 Familien.

Es sind so viele Zahlen unterwegs, sie zeigen große Inkonsistenzen. In jedem Fall erkennen wir, dass Wohnraum für die derzeit mehr als 500.000 Obdach- und Wohnungslosen in Deutschland vorhanden ist. Es ist eine staatliche Aufgabe Menschen und Wohnraum zusammenzubringen. Der SoVD in M-V wird die Bemühungen der staatlichen Einrichtungen, dieses Problem zu lösen, sehr genau beobachten.

Die Menschen, für die wir unsere Initiative gestartet haben, machen weniger als 10% in der Gruppe Obdachlose und Wohnungslose aus. Diesen derzeit deutschlandweit 47 300 Männern, Frauen, Jugendlichen und Kindern ein dauerhaftes Obdach bereitzustellen, von dem aus sie eine echte Chance haben in ein Leben in der Gesellschaft zurückzukehren, muss vordergründige Aufgabe sein.
Für Mecklenburg-Vorpommern dürfte die Zahl zwischen 400 und 500 liegen, exakte Angaben waren heute nicht zu finden.
Es geht uns nicht darum neuen Sozialneid zu schüren. Es geht uns darum, diesen zu vermeiden. Wer nichts hat, dem muss etwas gegeben werden. Wer etwas hat, muss danach entsprechend seinen Bedürfnissen versorgt werden.

Wir werden der heute veröffentlichen, und in vielen Abschnitten unklaren Studie, noch umfängliche Aufmerksamkeit widmen. Es sind 0,05% unserer Bevölkerung.
Zunächst hoffen wir alle, nicht nur wegen des tatsächlich „unerwartet und plötzlich, unbeeindruckt von Klimawandel“ aufgetretenen Winters, auf schnelle Hilfe für die obdachlosen Menschen.
Die Menschen da draußen auf der Straße, unter den Brücken, in Eingangsbereichen von Banken, Kaufhäusern und in Wartebereichen des ÖVPN hoffen auf uns.

Dr. med. Helmhold Seidlein
SoVD Landesvorsitzender SoVD Mecklenburg-Vorpommern
Rostock 15.01.2025