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Unsere Kinder in Not

Pressemeldung

Die Meldungen erschrecken: Infektionswelle bei Kindern, Kinderarztpraxen können nicht alle Kinder behandeln, fehlende Betten auf Kinderstationen in Krankenhäusern, überhaupt fehlende Kinderstationen.

Sofort kommt die Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen und nach schnellster Approbation ausländischer Ärzte. Egal, wo sie studiert haben und welche Papiere sie vorlegen.

Es ist das selbst verschuldete Chaos.

Kinderarzt zu sein war einmal ein Wunsch vieler Studienabgänger. Kinderkrankenschwester zu sein, war immer etwas Besonderes. Gerade die klinisch tätigen Ärzte wissen, wer in den Kinderkliniken das Regime führte - die Krankenschwestern, voran Stations- und Oberschwestern.

Kinder sind uns nicht nur lieb und teuer, sie kosten auch Geld. Für Krankenhäuser, getrimmt auf Wirtschaftlichkeit, stellen sie einen negativen Erlösfaktor dar. Die Diskussion in Mecklenburg-Vorpommern geht schon Jahre. Der Sozialverband Deutschland in M-V hat sich vielfach in die Auseinandersetzung eingebracht, eine Abkehr von der Ökonomisierung der Krankenhausarbeit und eine Abkehr von der Privatisierung von Krankenhäusern und Medizinischen Zentren gefordert. Die Ministerpräsidentin hat sich nun dieser Forderung angeschlossen. Das begrüßen wir.

Auch der von Funktionären und Politikern, die nach neuen Themenfeldern zur Profilierung suchen, gewollten und durchgesetzten Ausbildungsumstrukturierung in der Pflege, sind wir immer entgegengetreten. Sie hat keine zusätzliche Pflegekraft hervorgebracht, seitdem sie vor drei Jahren eingeführt wurde. Das Gegenteil ist eingetreten, weil es tatsächlich Absolventinnen und Absolventen gibt, die nun am Ende der Ausbildung eben nicht in die Pflege gehen, sondern, was ausdrücklich als besonders attraktiv hervorgehoben wurde, ein Studium aufnehmen.

Herr Spahn hatte seinerzeit 13 000 neue Pflegekräfte angekündigt. Seriöse Berechnungen, die auch der SoVD in M-V erstellt hatte, gingen von einem Bedarf von etwa 80 000 Pflegekräften aus. Die aktuelle Bilanz seit der Spahn`schen Ankündigung, und den vollmundigen Versprechungen nach Werbereisen nach Mexiko, Thailand, Vietnam und Polen, zeigt ein Plus von 3000 Pflegekräften.

So wird die Politik niemals sicherstellen können, dass allen Bedürftigen im Bereich der Ambulanzen, der häuslichen und stationären Pflege, im Krankenhaus und bei Katastrophenszenarien die Hilfe zukommt, die sie benötigen.

Es bedarf eines Schnittes, er wird schmerzen. Überkapazitäten müssen reduziert werden, alle therapeutischen Maßnahmen müssen auf den Prüfstand, Gesundheitsbewusstsein und Krankheitsverständnis aller Bürger muss gefördert, oder überhaupt entwickelt werden. Nein, Gesundheit ist kein Geschenk. Gesundheit zu zerstören, etwa durch die Freigabe von Cannabis, wohl wissend, dass dies eine Einstiegsdroge ist und, dass die Bilanz der Drogentoten im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der jugendlichen Drogentoten erbrachte, ist falsch.

100 Milliarden in Waffensysteme für die Bundeswehr, da war der Beifall groß. Wie viele Milliarden erhält das Gesundheitswesen, damit es zukunftssicher und effektiv arbeiten kann? Der SoVD in M-V fordert eine konzertierte Aktion für das Gesundheitswesen. Er fordert die Einrichtung eines nicht parteigebunden Ministeriums für praktische Gesundheitspolitik, losgelöst von den verkrusteten Strukturen der Berliner Bürokratie, geleitet von Sachverständigen, praktisch tätigen Medizinern. Auch Epidemiologen finden da ihren Platz.

Dem SoVD in M-V ist die Begrenztheit der Mittel und Möglichkeiten bewusst. Eine schonungslose Offenheit ist erforderlich, um allen Bürgern in diesem Land Gründe zu vermitteln, selbst aktives Gesundheitsmanagement zu betreiben. Dafür bedarf es für alle Bürgerinnen und Bürger eines gleichen Zuganges zu den Einrichtungen und den Leistungen des Gesundheitswesens: Eine Kasse für Alle. Privaten Versicherern ist es natürlich unbenommen, ebenfalls Leistungen anzubieten, aber nicht an Stelle von den Leistungen für alle Bürger, sondern als Zusatzleistungen.

Es ist an der Zeit zu erkennen: Wir haben schon lange nicht mehr eines der besten Gesundheitswesen der Welt. Wir haben eine auf Profit orientierte Gesundheitsindustrie, die Spielball internationaler Investoren geworden ist. Aktuell leiden deswegen tausende Kinder und ihre Eltern.

Dr. med. H. Seidlein
SoVD - Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern