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Der sechste Tag

Pressemeldung

Zogen einst fünf wilde Schwäne,
Schwäne leuchtend weiß und schön.
„Sing, sing, was geschah?“
Keiner ward mehr gesehn.

Wuchsen einst fünf junge Birken
grün und frisch an Baches Rand
„Sing, sing, was geschah!“
Keine in Blüten stand.

Zogen einst fünf junge Burschen
stolz und kühn zum Kampf hinaus.
„Sing, sing, was geschah? “
Keiner kehrt nach Haus.

Wuchsen einst fünf junge Mädchen
schlank und schön am Memelstrand.
„Sing, sing, was geschah?“



 

Die Schöpfungsgeschichte des Krieges geht weiter. Am 7. Tag ist keine Ruhe eingetreten, die Seiten haben noch nicht zusammengefunden, um ernsthaft miteinander zu sprechen. Man gewinnt eher den Eindruck einer Verschärfung.

Wo sind die Kräfte, die laut und verständlich zur Mäßigung aufrufen und nicht die eine oder die andere Seite in besonderer Weise unterstützen? Eine Polarisierung ist in vielen europäischen Ländern zu beobachten. Auch in unserem Deutschland, in welchem mehrere Millionen Menschen leben, die sich Russland und mehrere hunderttausend, die sich der Ukraine zugerechnet fühlen. Es gibt in Deutschland viele Familien, in der Menschen beider Staaten leben, so wie es auch in Russland und in der Ukraine ist. An diesen Menschen richtet sich unsere Hoffnung. Es gibt keine Alternative zum Dialog, es sei denn, die Vernichtung Europas, evtl. der Welt, wird wissentlich in Kauf genommen. Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Wir, der SoVD in Mecklenburg-Vorpommern, fordert wie vor dem Krieg und nach dessen Beginn an jedem Tag eine Beendigung jeglicher kriegerischen Handlungen zwischen Russland, der Ukraine und weiteren Beteiligten. Alle müssen sich ihrer Verantwortung für ihre Länder, Europa und der Welt bewusst sein. Niemand hat das Recht, offensichtliche Gefahren zu ignorieren oder sie selbst heraufzubeschwören. Die Entwicklung der letzten Woche hat allerdings eine begrenzte Einsichtsfähigkeit auf allen Seiten erkennen lassen. Dies macht uns sehr besorgt.

Wir bitten unsere Mitglieder Gespräche mit Menschen ukrainischer und/oder russischer Herkunft, die in unserem Land leben, selbst zu suchen oder zu vermitteln. Zeigen wir diesen Mitbürgern Verständnis und Solidarität. Bedenken wir, es ist erst 80 Jahre her, als Soldaten dieser Länder in einem von Deutschland ausgelöstem Waffengang, sich im Großen Vaterländischen Krieg gegenüberstanden. Dennoch fanden sie nach dem Krieg Wege für einen Neuanfang und den gegenseitigen Hass in Verständnis und Zuwendung zu wandeln.

Nutzen wir diese gemeinsamen schrecklichen Erfahrungen des Krieges und die guten der Vergebung und Versöhnung für eine dauerhafte und stabile Lösung der jetzigen Probleme in Europa.

Dr. med. H. Seidlein 
SoVD – Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern