Direkt zu den Inhalten springen

Pressemitteilung vom 08.05.2021

8. Mai - Gedanken aus der ersten Nachkriegsgeneration

Der Tag der Befreiung, der Tag der Niederlage, der Tag der Kapitulation - man mag ihn nennen wie man will, ist der bis dahin, auch bis heute, wichtigste Tag in der deutschen Geschichte.

Ihm folgte eine so lange Ära des Friedens und des Aufbaues, wie es sie in Deutschland noch niemals gegeben hatte. Endlich kam die Einsicht auf, dass Krieg kein taugliches Mittel sei, um Ansprüche durchzusetzen und es in einem Krieg keine Gewinner, sondern nur Verlierer gibt.
Der Krieg ist eben gerade nicht die „bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, (v. Clausewitz, Vom Kriege, 1832) sondern er verhindert jedes politische Handeln, wenn man Politik als das versteht, was sie sein soll:  Arbeit für die Menschen.

Die zwei nach dem Krieg ausgerufenen deutschen Staaten hatten bzw. haben dieses Ziel in Ihrer Verfassung bzw. ihrem Grundgesetz fixiert. Für die Besinnung auf den Ursprung dieses Friedensgebotes ist der 8 Mai der geeignete und richtige Tag. Er ist der Tag, an dem der Gründung eines neuen Deutschlands, eines Landes, das sich dem Frieden verschrieben hat, am ehesten gedacht werden kann. Es ist der tatsächliche deutsche Nationalfeiertag.

Der 3. Oktober ist ein gespaltener Tag, weil er an etwas erinnert, was nicht gemeinsam erreicht wurde, sondern bei dem es Gewinner und Verlierer gab. Eine gemeinsame Erinnerungskultur kann es also an diesem Tag nicht geben.

Am 8. Mai 1945 gab es nur Verlierer, aber alle strebten ein gemeinsames Ziel, den neuen deutschen Friedensstaat, an. Die Geschichte wollte es, dass dies zunächst in zwei unterschiedlichen Gesellschaftsformationen erfolgte. Dadurch entwickelten sich auch verschiedene Bewältigungs- und Erinnerungskulturen.

Der eine Staat übernahm die Hymne des mehrfach untergegangenen Deutschlands,“...für das deutsche Vaterland“, der andere schuf sich einen neue: „...reicht den Völkern Eure Hand.“.
Der eine Staat ging von einer Kollektivschuld für die Gräuel des Dritten Reiches aus und ermöglichte so absurderweise die Reintegration von Einzeltätern in die neuen Strukturen. Der andere erkannte sehr wohl die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte an, auch für ihre schlimmsten Taten, und verlangte von Tätern Rechenschaft.

Er konnte sich bei dieser Sichtweise der Unterstützung derjenigen Völker sicher sein, denen Deutschland das Schlimmste angetan hatte: „Die Erfahrungen der Geschichte besagen, dass die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt. (J.W. Stalin, 1942).

Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt.

Nunmehr ist es Zeit dafür, die Gemeinsamkeiten, auf denen unser solidarisches Gesellschaftsmodell beruht, deutlicher zu machen als bisher.

Die Anerkennung des 8.Mai 1945 als den Tag, an dem das neue Deutschland seinen Ursprung hat und ihn zum Nationalfeiertag zu proklamieren, würde zur angestrebten Inneren Vereinigung wesentlich beitragen.

Dr. med. Helmhold Seidlein 
SoVD – Landesvorsitzender Mecklenburg – Vorpommern