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Pressemitteilung vom 17.02.2019

Dienstleistungsbetrieb Arztpraxis - Fehlende Barrierefreiheit da, wo sie zwingend erforderlich ist!

Mehr und mehr werden unsere SoVD-Beratungsstellen mit Anfragen konfrontiert, wie Rat- und Hilfesuchende möglichst zeitnah beim Arzt ihres Vertrauens einen Vorstellungstermin erhalten können.

Es geht nicht allein darum, ob ein bestimmter Facharzt wohnortnah praktiziert und damit auch aufgesucht werden kann. Es geht auch nicht darum, ob Termine bald oder später  erhalten werden. Es geht ganz einfach darum, überhaupt einen Termin zu erhalten. Rasend schnell hat sich in den Arztpraxen eine ganz schlimme, nicht einmal vom klassischen Dienstleistungsgewerbe her bekannte, nur bei Firmen der Telekommunikation und Versicherungen geübte Praxis, eingebürgert: Die Nichterreichbarkeit im Bedarfsfalle.

Hat man im Dschungel der Gelben Seiten den benötigten Facharzt gefunden und ruft zwecks Terminvereinbarung dort an, meldet sich heutzutage die mehr oder weniger gestresst wirkende Stimme des Praxisinhabers oder die ebenso überfordert wirkende Stimme einer seiner Mitarbeiterinnen, seiner Mitarbeiter oder seiner Diversen und verkündet dem Hilfesuchenden, dass heute sowieso keine Sprechstunde ist, auch  nicht morgen, sondern an dem und dem Tag zwischen dieser und jener Stunde. Zählt man nach, kommt man zumeist nicht auf die geforderten 25 Stunden Präsenzpflicht der Ärzte in seiner Niederlassung.

Aber erreichbar bedeutet nicht, dann auch dorthin gehen zu können, um sein Anliegen vorzubringen, denn die Stimmen fahren in schnellem Tempo fort und nennen Zeiten, zumeist in der für kranke und ältere Menschen notwendigen Mittagszeit oder zu Zeiten, in denen Erwerbstätige nicht ihren Arbeitsplatz verlassen können, um zu telefonieren, in denen dann nicht etwa die Praxis aufgesucht werden, sondern in der telefonisch ein Termin zu ebend einem solchen Besuch vereinbart werden kann. Die Botschaft kommt schnell, zu schnell, um sich beim ersten Male Notizen machen zu können, ein zweiter oder ein dritter Anruf sind erforderlich. Manches Mal geben die Betroffenen einfach auf. Es gibt ja eine Alternative, die Notfallsprechstunde am Krankenhaus. Dies ist natürlich keine wirkliche Alternative, denn dort sollen Patientinnen und Patienten in der Notsituation Hilfe suchen. Allerdings blockieren Frauen, Kinder und Männer ohne akuten Hilfebedarf zunehmend diese Einrichtungen, z.B. auch, weil für sie die oben genannte Terminvereinbarungspraxis nicht praktikabel ist.

Es ist an der Zeit, dass die standesrechtlichen Vertretungen und insbesondere die Kassenärztliche Vereinigung sich mit dieser nicht hinnehmbaren Praxis befassen und ihre Kolleginnen und Kollegen auffordern, Erreichbarkeit der Praxen zu sichern und zwar barrierefrei in jeglicher Hinsicht.

Am Geld für die nichtärztlichen Mitarbeiter kann es nicht liegen. Die Praxiseinkommen sind öffentlich und lassen keinen Sparzwang im Bereich der Kommunikation zwischen Patientinnen und Patienten und Praxen erkennen.

Der Sozialverband Deutschland in Mecklenburg-Vorpommern wird das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung suchen, um diesen Missstand zu beheben.