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Pressemitteilung vom 11.01.2019

Der SoVD fordert eine moderne, barrierefreie und bedarfsorientierte Verkehrsinfrastruktur in Mecklenburg – Vorpommern

Treffen des SoVD – Landesvorsitzenden Dr. Helmhold Seidlein, Christian Pegel , Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung, am 15.12.2018

Die regionalen Verkehrsanbindungen stellen für unsere Mitglieder, für Menschen mit Behinderungen aber auch für alle anderen, insbesondere, diejenigen, die entfernt vom Wohnort arbeiten ein großes Problem dar. Im Gesundheitstourismusland Mecklenburg – Vorpommern sind aber auch alle Gäste auf eine intakte effektive Verkehrsinfrastruktur angewiesen. Nicht zuletzt spielen die Belange des Umweltschutzes eine große Rolle, wenn  über Verkehr auch in sehr sensiblen Regionen nachgedacht wird. Somit muß um kluge Konzepte gerungen werden, die all dies berücksichtigen und vor allen Dingen nicht die Sicherung von Arbeitsplätzen für die einheimische Bevölkerung in Frage stellen. Ob dies alles bedacht wurde bei der geplanten Umstellung des Regionalverkehrs in Vorpommern, speziell der Anbindung der Insel Usedom an die Zentren Greifswald, Stralsund, Neubrandenburg und nach Mecklenburg, darüber tauschten sich die Gesprächspartner aus. Mit Beginn des Winterfahrplanes 2019/2020 wird die Usedomer Bäderbahn (UBB) nur noch die Strecke Swinemünde – Züssow bedienen. Zwei Gründe sind dafür maßgebend :

Zum ersten gibt es einen betriebswirtschaftlichen, da die UBB, insbesondere auf ihren Strecken außerhalb der Insel Usedom , nicht wirtschaftlich ist, zum zweiten sind dies Forderungen des Umweltschutzes. Während die UBB mit dieselgetriebenen Fahrzeugen unterwegs ist, fährt die DB mit Elektrotriebwagen. Eine Elektrifizierung der Strecke Züssow- Swinemünde ist auf absehbare Zeit nicht vorgesehen, über große Strecken, dies darf nicht unerwähnt bleiben, wurden allerdings installierte Masten für E – Leitungen abmontiert.

Beim neunen Fahrplan sollen die bisherigen Taktfrequenzen nicht geändert werden. Sie haben sich auf der Insel und in der Anbindung an die Fernbahnen von und nach Berlin bewährt.

Neu ist, daß die Weiterfahrt von oder die Fahrt nach Züssow künftig mit Zügen der Deutschen Bahn (DB) sichergestellt wird.

Sie sollen die bisherigen Stundentakte auch weiterhin bedienen. Reisende nach und von der Insel Usedom konnten bisher zweistündlich wählen zwischen der durchgehenden Fahrt von Swinemünde nach Stralsund und umgekehrt, oder der Fahrtunterbrechung in Züssow und Wechsel von der DB zur UBB oder umgekehrt. Die Nutzung der durchgehenden Verbindung hatte eine hohe Pünktlichkeit, diese war und ist beim Zugwechsel nicht immer gewährleistet. Nicht unerwähnt, weil auch im Gespräch eine große Rolle spielend, bleiben dürfen die Umsteige- und Wartebedingungen in Züssow. Der Haltepunkt  hat wohl den Charme einer Bushaltestelle aber nicht die zu erwartende Qualität an einen Umsteigebahnhof der Eisenbahn . Es ist für Fernreisende aus dem Südwesten der Republik immer wieder ein „Kulturschock“, wenn sie zum Urlaub auf der schönsten deutschen Insel anreisen und in Züssow umsteigen müssen. Die den SoVD bewegenden Probleme sind aber auch andere. Er sieht in der neuen Regelung eine Verschlechterung für Menschen, die aus der Peripherie heraus die Zentren Greifswald und Stralsund, weiter auch Neubrandenburg aufsuchen müssen und dafür keine durchgehende Zugverbindung mehr nutzen können, wenn sie von der Insel Usedom kommen oder dem Wolgaster Umland. Ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Frauen mit Kindern müssen beim Besuch der Greifswalder medizinischen Einrichtungen in Züssow umsteigen. Der aktuell mangelnde Witterungsschutz und die fehlende Sicherheit pünktlicher Weiterfahrt  sowie die Schwierigkeiten für Rollstuhlfahrer sind aus Sicht des SoVD Problemfelder, die von der UBB und der DB bis zum Dezember 2019 noch zu lösen sind.

Für Männer, Frauen, Schülerinnen und Schüler, die den ersten morgendlichen Zug der UBB nutzen, um in Wolgast oder auf der Insel Usedom zu arbeiten oder zu lernen bestehen Unsicherheiten, wie es nach dem Fahrbahnwechsel weitergehen soll. Hier sieht das Konzept der Bahn einen aus Rostock kommenden Zug der DB vor, der zu etwa der gleichen Zeit wie bisher die UBB, also z.B. Abfahrt Greifswald – Süd 05.50 Uhr, diese Strecke bedient. Dies soll auch im Tagesverlauf so sein, womit eine , wie immer gewünschte, engere Anbindung der beiden Landesteile erreicht werden kann. Das Gespräch zwischen Minister Peglow und Dr. Seidlein verlief in einer sehr offenen konkreten Atmosphäre. Der Austausch der Argumente erfolgte in gegenseitiger Achtung der jeweiligen Standpunkte. Seitens des Ministers wurde zugesichert, dem Problem des Umsteigehaltepunktes Züssow, von Bahnhof kann derzeit nicht gesprochen werden, Priorität einzuräumen. Er wolle auch Einfluß darauf nehmen, daß die  breite Öffentlichkeit umfassender als bisher über die Einzelheiten dieses Vorhabens und sich daraus ergebende Konsequenzen informiert wird. Von Dr. Seidlein war dazu beispielsweise angesprochen worden, daß an die Stammfahrgäste auf dieser Strecke weder die DB noch die UBB herangetreten ist , um etwa die Fahrtgewohnheiten und Fahrtgründe zu erfassen oder überhaupt mit den Fahrgästen ins Gespräch zu kommen, bevor solch weitreichende Änderungen vorgenommen werden. Die Gesprächspartner vereinbarten, den Kontakt aufrecht zu erhalten und sich ggf. wiederholt persönlich zu treffen. Dr. Seidlein bedankte sich bei Minister Peglow für die Gelegenheit als Vertreter eines maßgebenden Verbandes mit ihm über die benannten Probleme zu sprechen. Information durch ihn an die Mitglieder  des SoVD und darüber hinaus wurde zugesichert.

Dr. H. Seidlein

SoVD - Landesvorsitzender

Mecklenburg - Vorpommern