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Pressemitteilung vom 27.07.2020

Corona ist nicht vorbei - Gedanken eines Arztes

Liebe Freundinnen und Freunde,

die aktuelle epidemiologische Lage und die unangemessene Umgangsweise damit in vielen Städten unserer Bundesrepublik bereitet uns ernsthafte Sorge. Zu oft hört man: „Corona. Was Corona? Ich bin doch gesund! Ich will Fun, ich will Spaß.“ Dies ist eine nicht hinnehmbare Ignoranz, die von verantwortungsvollen Politikern und vielen Menschen zu Recht als unsolidarisches Verhalten angeprangert wird.

Unser Bundesland steht vergleichsweise gut da. Aber was heißt gut? Auch hier sind Menschen an Corona schwer erkrankt, mußten isoliert werden, sind infizierte Menschen gestorben.  Auch Mecklenburg–Vorpommern hat einen unvorstellbar hohen Kredit zur Bewältigung der Folgen dieser Pandemie aufgenommen, der noch unsere Enkel belasten wird.

Warum strafen viele Menschen, die sich angeblich in ihrer freien Entfaltung eingeschränkt fühlen, obwohl Ihnen die Anti-Corona-Maßnahmen überhaupt ein künftiges weiteres Leben im gewohnten Rahmen ermöglichen, diejenigen Lügen, die von einer großen solidarischen Anstrengung zur Überwindung der Krise sprechen? Wieso erkennen sie nicht, dass sie, neben der Gefährdung der eigenen Person in unverantwortlicher Art und Weise, das Funktionieren unserer auf Solidarität gegründeten Gesellschaft gefährden?

Wir alle kennen solche erschreckenden Beispiele. Sprechen wir die Frauen und Männer, gleich von wo und aus welchen Gründen sie nach Mecklenburg-Vorpommern kommen, an. Erklären wir ihnen, warum wir gerade in dieser bedrohlichen Situation erwarten, dass alle hier im Land sich an unsere Regeln halten. Wir unterstützen damit auch die kluge Politik unserer Landesregierung und der Verwaltungen auf allen Ebenen, die es bisher verstanden haben unser Land mit geringstmöglichem Schaden durch die Epidemie zu führen.

Sehen wir die Zeichen und werten sie richtig: Die Epidemie kehrt mit einer neuen Welle zurück. Es wird nicht die letzte sein. Wir haben keine Mittel gegen das Virus außer der Einhaltung unserer Regeln. Seien wir nicht gutgläubig. Gehen wir nicht denen auf den Leim, die von einer Gefährdung unserer Demokratie faseln, während sie selbst an deren Zerstörung arbeiten. Es ist nicht klar, ob es jemals einen dauerhaft wirksamen Impfstoff gegen Covid 19 und nachfolgende Virusgenerationen geben wird. Leben wir so, dass diese Stille Gefahr nicht unser System zum Zusammenbruch bringt. Sollte dies geschehen sind viele von uns, die sich nicht regelhaft verhalten haben, nicht schuldlos daran.

Wir können mit dem Virus leben, so wie wir seit Menschengedenken auch mit anderen Krankheiten und sonstigen Gefahren, auch mit vielen Viren leben. Wir können das, weil wir auf Ratschläge der Sachverständigen hören, weil wir Impfschutz betreiben und die Regeln beachten, die wir uns zur Gefahrenminimierung selbst erarbeitet haben. Halten wir uns an die Regeln in Sorge und Vorsorge, nicht in Angst. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Das ist Solidarität 2020 und wohl noch sehr lange.

Dr. med. Helmhold Seidlein
SoVD-Landesvorsitzender Mecklenburg - Vorpommern