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Pressemitteilung vom 24.01.2020

Die Schande einer Gesellschaft: Obdachlosigkeit-Wohnungslosigkeit

Zur abschließenden Bundestagsberatung über die Einführung einer Wohnungslosenberichterstattung erklärt der Landesvorsitzende Dr. med. Helmhold Seidlein:

Eine Datenerhebung über das Ausmaß der Obdachlosigkeit - Wohnungslosigkeit in Deutschland ist eine wichtige und richtige Maßnahme, sofern sie nicht als Alibi genutzt wird. Wohnen, ein Menschenrecht, ist eine zentrale Frage unserer Zeit und ein brennendes Problem auch in unserem Land geworden. Es gibt viele Gründe, weswegen immer mehr Menschen wohnungslos sind: falsche Planungen, unkontrolliertes Gewinnstreben, gerade in unserem Land Umwidmung von Wohnraum in Erwerbsraum, Förderung vom Ferienimmobilien und die Zurverfügungstellung des notwendigen wertvollen Baulandes (statt Schaffung von Wohnraum für Einheimische, Luxussanierungen zur Renditesteigerung….

Deshalb ist eine präzise Analyse unverzichtbar, um zielgenaues Umdenken und Umsteuern organisieren zu können. Längst ist die Zeit vorüber, in der ausreichender Wohnraum für alle zur Verfügung stand und dennoch Projekte, die nicht für die einheimische Bevölkerung gedacht waren, gefördert werden konnten. Hinzu kommt gerade in unserem Bundesland, dass für jedes Windrad zur Energiegewinnung Bauland für etwa 5 Eigenheime verloren geht.

Es geht also um mehr als um eine Erfassung. Es geht um ein neues Bauen von Wohnungen, um Einhalt der Vernichtung von Boden und um die Verabschiedung von nicht erfüllbaren Forderungen nach bestimmten Wohnungsgrößen möglichst noch in Eigenheimsiedlungen. Es geht allein um die Realisierung des Menschenrechtes auf Wohnen. Eine gesellschaftliche Debatte ist erforderlich. Dazu sind viele Statistiken notwendig. Allein die Betroffenen in einer neuen Statistik zu erfassen, die in ihrer Notsituation keinerlei Unterstützung erfahren, ist völlig ungenügend, wenn auch erforderlich. Auch müssen in den neuen Statistiken Frauen, Familien mit Kindern sowie Menschen mit Behinderungen und pflegebedürftige Wohnungslose stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, weil an ihrem Beispiel das Problem besonders deutlich gemacht werden kann, wenn es natürlich kein gesondertes Recht auf Wohnen nur für diesen Personenkreis geben kann. Aber häufig sind eben diese Gruppen aufgrund verdeckter Wohnungslosigkeit nicht sichtbar. Ihnen fehlt auch einfach die Kraft und die Lobby.

Der geplante Bericht kann dieses gesamtgesellschaftliche Problem in einen neuen Fokus bringen und damit eine Debatte auslösen, wem unser Land gehört. Der SoVD in Mecklenburg – Vorpommern wird diesen Bericht über Wohnungslosigkeit / Obdachlosigkeit gemeinsam mit anderen Sozialverbänden bewerten und eigene Vorschläge zur Lösung des Problems unterbreiten.