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Pressemitteilung vom 22.03.2020

Corona und das Reiskorn


Corona: Warum müssen wir uns körperlich von anderen Menschen fernhalten, auch wenn wir sie lieben oder gerade deshalb?

Das Corona-Virus bestimmt derzeit unser Leben. Das soll aber nicht so bleiben.  Haben wir alle in irgendeiner Weise mit ihm Kontakt gehabt, dann werden wir, mit großer Wahrscheinlichkeit, gegen eine erneute Infektion immun.

Nicht immer verläuft allerdings die Immunisierung, d.h. die Infektion mit dem Virus, ohne Krankheitszeichen. Es müssen Menschen sogar an den Folgen dieser Viruserkrankung sterben. Retten können wir diejenigen, die schwer erkranken und für die wir dann Intensivpflegebetten und medizinisches Personal in unseren Krankhäusern haben. Erkranken zu viele Menschen gleichzeitig, dann reichen Personal und Betten nicht aus und wieder müssen Menschen sterben - ältere und auch ganz junge.

So bleibt nur eine Möglichkeit: Es dürfen immer nur so viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken, für die wir auch eine ausreichende Anzahl von Personal und Intensivbetten haben. Also müssen wir die Anzahl der Infektionen an einem Tag, in einer Woche verringern. Dann haben viele eine Chance. Geben wir sie ihnen. Halten wir uns an die Abstandsgebote und die Kontaktgebote. Bitte!

Zur Verdeutlichung der unausweichlichen Katastrophe lest euch bitte die altindische Fabel vom Reiskorn durch. Ebenso wie da, vermehren sich die Viren exponentiell. Die Folgen habe ich oben beschrieben.

Seid vorsichtig, seid sozial. Es müssen auch Intensivbetten für euch und eure Lieben da sein, wenn ihr oder sie vom Virus befallen werden!

Die Fabel:

Sissa ibn Dahir lebte wohl im dritten Jahrhundert n. Chr. in Indien und  erfand  das Schachspiel.  

Mit ihm ist die Reiskornlegende verbunden: 

Der indische Herrscher Shihram tyrannisierte seine Untertanen und stürzte dabei sein Land in Not und Elend. Um die Aufmerksamkeit des Königs auf seine Fehler zu lenken, ohne seinen Zorn zu entfachen und um sein Leben fürchten zu müssen, schuf Sissa ein Spiel, in dem der König als wichtigste Figur ohne Hilfe anderer Figuren und Bauern nichts ausrichten konnte. Der Herrscher war vom Spiel beeindruckt und ließ es im ganzen Land verbreiten. Um sich für die anschauliche Lehre zu bedanken, gewährte der Herrscher dem Schöpfer des Spieles einen freien Wunsch. Dieser nun wünschte sich  nichts weiter als Reiskörner: Auf dem ersten Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf dem zweiten Feld das doppelte, also zwei, auf dem dritten wieder die doppelte Menge, also vier und so weiter und so fort. Der König lachte, war aber gleichzeitig auch erbost über die vermeintliche ihn beschämende Bescheidenheit des Sissa.

Als der Herrscher sich einige Tage später erkundigte, ob der Schachspielerfinder seine Belohnung in Empfang genommen habe, musste er hören, dass die Rechenmeister seines Hofes die Menge der Reiskörner noch nicht berechnen konnten. Der Vorsteher der Reiskammer meldete nach einigen weiteren Tagen ununterbrochener Rechnerei, dass die Menge der Reiskörner im ganzen Reich nicht aufgebracht werden könnte.

Auf allen Feldern eines Schachbretts zusammen wären es 18.446.744.073.709.551.615 ( 18,45 Trillionen) Reiskörner.

Und ebenso vermehrt sich dieses Corona-Virus. Wer nun noch Fragen nach dessen Gefährlichkeit hat, der nehme sich ein Schachspiel und staple Reiskörner. Er hätte am Ende auf allen Feldern des Brettes zusammen eine Last von etwa 922 Milliarden Tonnen, einem Vielfachen der jährlichen Reisernte auf der gesamten Welt.




Dr. med. H. Seidlein

SoVD – Landesvorsitzender in Mecklenburg–Vorpommern.