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Pressemitteilung vom 14.12.2020

Unsere Sanitätshäuser - wichtige Helfer in guten wie in schlechten Zeiten

Auch in Corona-Zeiten Hilfsmittel sachgerecht, passgerecht, pünktlich liefern

Kann man sich auf schnelle Unterstützung in der Auslieferung von wichtigen Hilfsmitteln verlassen?

Sanitätshäuser arbeiten anscheinend sehr unterschiedlich. Darüber informieren uns viele Mitglieder,  die auf dringend benötigte Hilfsmittel wochenlang warten müssen.

Häufig liegen die möglichen Ursachen dafür allerdings nicht beim Bandagisten, Orthopädiemechaniker, Orthopädieschuhmacher oder Prothesenbauer vor Ort.

Ein Hilfsmittel kann dann ausgeliefert werden, wenn eine den Vorgaben entsprechende ärztliche Verordnung vorliegt. Dies sollte immer eine fachärztliche Verordnung sein.

Die Genehmigung zur Kostenübernahme eines Hilfsmittels, gleich ob gesetzlich oder privat versichert, ergibt sich aus der fachlichen Prüfung von Indikation und Therapieziel. Die Bearbeitungsfristen bei den Krankenkassen sind häufig zu lang.

Letztendlich muss in den Sanitätshäusern selbst die Manpower und das Fachwissen vorhanden sein, um Hilfsmittel auszuliefern, die den medizinischen Anforderungen entsprechen. Wie in vielen anderen handwerklichen Berufen, herrscht auch hier an Mangel an Fachkräften und Nachwuchs.

Dies alles verstehen die Patientinnen und Patienten, erleben sie solche Situationen doch häufig an vielen Stellen. Allerdings sehen sie die Versorgung mit Hilfsmitteln nicht als eine Dienstleistung im üblichen Sinne an, ebenso nicht wie die ärztliche Betreuung. Deshalb ist es auch überhaupt nicht nachvollziehbar, wenn Patientinnen und Patienten den Kontakt zu ihrem Sanitätshaus suchen, zumeist sind es ältere und behinderte Menschen, dann aber von einem Anrufbeantworter in die Endlosschleife geschickt werden. Der Arzt muss ansprechbar sein, das Sanitätshaus ebenso wie auch die Apotheke. Hier muss die Handwerkskammer und der Berufsverband daraufhin wirken, dass die Unsitte, medizinische Probleme mit einem technischen Gerät besprechen zu müssen, abgeschafft wird.

 Es geht nicht darum, dass sie sehr viele Jahre nicht unerhebliche finanzielle Leistungen für ihre jeweilige Krankenkasse erbringen mussten, sondern es geht darum, dass ein verordnungsfähiges indiziertes Hilfsmittel sofort gebraucht wird. Ansonsten wäre die Verordnung nicht indiziert. Dabei ist unter sofort nicht jetzt zu verstehen. Aber konfektionierte Hilfsmittel können innerhalb einer Woche ausgeliefert werden, Maßanfertigungen sollten nicht länger als vier Wochen in der Herstellung benötigen.

Und natürlich muss man von den Inhabern der Sanitätshäuser, die durchaus eine erhebliche Gewinnspanne haben, auch erwarten, dass sie, wenn eine Versorgung sehr dringend ist, ein kalkulierbares unternehmerisches Risiko bei der Versorgung ohne vorherige Genehmigung der Krankenkasse eingehen. Enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden und verordnenden Arzt sollte dabei selbstverständlich sein.

Hilfsmittel sind Voraussetzung für Teilhabe im Beruf, in der Familie, im sozialen Leben. Versicherte haben einen Anspruch auf diese Teilhabesicherung (Bundesteilhabegesetz, Sozialgesetzbuch IX).

Wir, der Sozialverband Deutschland – SoVD - in Mecklenburg-Vorpommern fordern von allen Beteiligten, diese gesetzliche Vorgabe mit Ernst, in hoher Qualität und zügig umzusetzen.

Wir stehen mit den Verantwortlichen beim Sozial- und beim Gesundheitsministerium ebenso im Gespräch wie mit den Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Trägern der medizinischen und beruflichen Rehabilitation, Handwerkskammern, den Berufsverbänden, der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung. Wir lassen auch die Privatversicherten nicht allein und unterstützen sie in der Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen gegenüber ihren Krankenkassen.

In Zeiten von Corona und ihren Beschränkungen dürfen keine längeren Genehmigungsfristen, längere Wartezeiten für die Auslieferung und keine Qualitätsminderungen im Service der Sanitätshäuser entstehen. Das nehmen wir nicht hin. Es gibt dafür keine Entschuldigung. Die  finanziellen Unterstützungen durch Bundes- und Landesregierung, auch für Industrie und Handwerk im medizinischen Bereich, dienen in erster Linie dem Erhalt der Leistungsfähigkeit dieser Betriebe für die Bereitstellung und den Service ihrer medizinischen Produkte für die betroffenen Frauen und Männer mit Behinderungen.

 

Erika Kannenberg
Landesfrauensprecherin des SoVD in Mecklenburg-Vorpommern