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Pressemitteilung vom 05.05.2020

Welttag der Menschen mit Behinderung

Zum Welttag der Menschen mit Behinderung am 05.05. erklärt der SoVD-Landesvorsitzende Mecklenburg - Vorpommern Dr. med. Helmhold Seidlein: 

Menschen mit Behinderung müssen auch 28 Jahre nach dem ersten Protesttag für die Umsetzung der UN - Behindertenkonvention am 5. Mai 1992 immer noch mit Erschwernissen, Barrieren und Benachteiligungen im privaten und gesellschaftlichen Leben zurechtkommen.

Die Coronakrise offenbart eklatante Mängel in der Vorbereitung und der Bewältigung der mit solchen Ereignissen verbundenen Veränderungen im gesellschaftlichen Leben. Es gibt keine Programme für die Weiterführung von Therapien wie Physiotherapie und Ergotherapie in der Häuslichkeit, keine Programme mit Alternativen für die Betreuung in Tageskliniken, keine Vorbereitungen auf Möglichkeiten soziale Kontakte aufrecht zu erhalten für in Alten- und Pflegeheimen lebende Frauen und Männer.

Es gibt keine Handlungsanweisungen für die Arbeit von Einrichtungen, die im Wesentlichen von privaten Zuwendungen leben wie Hospize für Kinder und Erwachsenen.

Es gibt keine Vorkehrungen für den Fall, dass Menschen mit Behinderungen auch in Katastrophenzeiten behördliche Kontakte suchen können. Die Behörden verfügen nicht über die Kapazitäten selbst auf Betroffene zuzugehen.

Es gibt keine Alternativen für behinderte Mütter, deren Kinder, die selbst behindert sind, und sonst eine Tagesbetreuung erfahren, als diese Betreuung selbst zu übernehmen.

Es ist jetzt nicht die Zeit die Finger zu erheben und auf angeblich, leicht zu findende, Schuldige zu verweisen. Die Gesellschaft hat insgesamt versagt. Ein Neuanfang nach einer tiefgreifenden Analyse und Entwicklung von neuen Konzepten, unter Einbeziehung der Betroffenen und ihren Vertretungen, inclusive der Sozial- und Wohlfahrtsverbände, ist erforderlich.

Das ungehemmte Ausreichen von Geldmitteln löst die Probleme nicht, es schafft neue in der Zukunft.

Der Sozialverband Deutschland in Mecklenburg – Vorpommern fordert von der Landesregierung die Erarbeitung und Veröffentlichung eines Katastrophenmanagementes, welches tragfähig ist alle gesellschaftlichen Bereiche und alle Bewohner des Landes einbezieht und sie nicht im Irrglauben lässt, der Staat könne alles richten. Der Staat kann nur mit dem arbeiten und das tun, was die Bürgerinnen und Bürger  ihren gewählten Volksvertretern geben und ihnen erlauben. Jeder ist in der Verantwortung. Solidarität ist erforderlich mit denen, die diese Verantwortung nicht wahrnehmen können. Dies trifft für viele Menschen mit Behinderungen teilweise oder ganz zu. Auch für diese erhebt der SoVD seine Stimme und bietet seine Mithilfe bei der Problembewältigung an.