Direkt zu den Inhalten springen

Pressemitteilung vom 15.09.2018

Der große Bluff 1995 - 2018 und darüber hinaus

Pflegeversicherung, Pflegebedürftigkeit ,Mängel an Pflegekräften, Qualität in der Pflege, Pflegestandards…

<seitdem></seitdem>

Um dies gegenüber der Bevölkerung durchsetzen zu können, werden immer schrecklichere Szenarien in die Welt gesetzt. Nicht nur, daß in Deutschland 12 % der Bevölkerung als schwerbehindert anerkannt sind, nun weisen die Hochrechnungen aus, daß 2035 rund 4 Millionen Frauen und Männer, also fast 5 % der Bevölkerung, pflegebedürftig sein werden , etwa ein Drittel mehr als heute, und dafür mindestens 150 000 Pflegekräfte mehr benötigt werden.

Welch ein Wachstumsmarkt!

Diese veröffentlichten Prognosen zeigen

1.    Die Versicherten sollen eine große Privatwirtschaft noch größer werden lassen.

2.    Die Versicherten, und da, wo sie es selbst nicht können die Solidargemeinschaft, sollen einen noch größeren Anteil ihres Einkommens in eine grundsätzlich instabile, weil privatwirtschaftlich organisierte, Pflegeindustrie stecken.

3.    Die Gesetzlichen Krankenkassen sollen weiter zu Lasten der stationär Gepflegten entlastet werden, je höher deren Zahl, desto größer die Entlastung ,da viele Leistungen, die ambulant von der GKV getragen werden, unter stationären Bedingungen von den Pflegebedürftigen selbst finanziert werden müssen.

4.   Pflegebedürftigkeit verhindernde oder reduzierende Maßnahmen zu Lasten der GKV sollen weiterhin nur in geringem Umfang oder möglichst gar nicht erbracht werden. Dies entlastet die GKV und vergrößert den Gewinn der Pflegeindustrie. Beleg dafür ist z.B., dass bei lediglich 1% der Pflegebegutachtungen, Leistungen der medizinischen Rehabilitation empfohlen und noch weniger tatsächlich erbracht werden.

Die angebliche Sorge um Pflegebedürftige entpuppt sich somit als Maschinerie zur Gewinnmaximierung.

Was ist zu tun?

Es sind alle Anstrengungen zu intensivieren, die Pflegebedürftigkeit verhindern oder reduzieren können. Die Gesundheitsforschung in Deutschland hat dafür viele Konzepte entwickelt, die sachlich richtig weit vor dem Lebensalter einsetzen müssen, in welchem Pflegebedürftigkeit erwartet werden kann.

Das bio-psycho-soziale Gesundheitsmodell muß tatsächlich umgesetzt werden.

Gesundes Leben – Vorsorgeuntersuchungen – Entwicklung von Gesundheitsbewußtsein und Krankheitsverständnis – betriebliche Prävention – Bewahrung der natürlichen Umwelt – Medizinische Rehabilitation dürfen keine Worthülsen sein, sonder müssen von der Gesundheitspolitik, der präventiven der ambulant - kurativen , der akut-stationären und der rehabilitativen Medizin gelebt werden.

Es ist nicht nur notwendig, sondern vor allen Dingen auch möglich, durch diese Maßnahmen , den Ausbruch einer Vielzahl von Krankheiten zu verhindern oder sie in ihrem Verlauf abzumildern. Leistungsfähigkeit für Schule, Ausbildung, berufliche Tätigkeit und erfüllte Teilhabe in der Nacherwerbslebensphase können so entwickelt und erhalten werden. Der nachlässig frivole Umgang mit Suchtmitteln steht diesen Zielen allerdings diametral entgegen.

Es ist vor dem Hintergrund der Möglichkeiten moderner Medizin ein realistischesZiel, dass die meisten Menschen ihr Leben ohne wesentliche physische oder psychische Beeinträchtigungen bis in das höhere und hohe Alter hinein gestalten können. Viele heute pflegebedürftige Menschen müssten dies nicht sein. Werden die benannten Maßnahmen mit Ernst und Engagement umgesetzt, wird in Zukunft die Zahl der pflegebedürftigen Menschen nicht, wie prognostiziert, zu- sondern abnehmen. Die meisten Menschen werden dann lebenslang selbstbestimmt in vertrauter Umgebung leben können oder allenfalls kurzfristig und dann überwiegend in der Häuslichkeit, pflegerisch betreut werden müssen. Unabdingbar ist dafür aber auch der Eigenbeitrag aller Frauen und Männer, ist eine gesundheitsfördernde Lebensweise.

Der SoVD fordert:

Schrittweisen Abbau des privatwirtschaftlich geführten auf Gewinnmaximierung orientierten Pflegesektors zu Gunsten eines gewinnunabhängig arbeitenden Gesundheizswesens.

Ausbau von Prävention und Rehabilitation

Beseitigung gesundheitsschädigender Arbeits- und Wohnbedingungen

Förderung der Gesundheitswissenschaften

Zusammenführung von privater und gesetzlicher Kranken- und Pflegeversicherung in ein System mit dem primären Ziel , Krankheiten und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

Es ist dringend an der Zeit zu handeln, aber nicht für die Rendite der Gesundheitsindustrie sondern für die Versicherten.

Der SoVD bietet der Gesundheits- und Sozialpolitik seine Kompetenz für Diskussion und Konzeptentwicklung an.

Dr. med. Helmhold Seidlein

SoVD – Landesvorsitzender Mecklenburg - Vorpommern