Direkt zu den Inhalten springen

Pressemitteilung vom 27.05.2017

Impfen

Der SoVD begrüßt die wieder aufgenommene Diskussion zur Gewährleistung des individuellen und gesellschaftlichen Schutzes vor impffähigen Infektionskrankheiten. Bundesgesundheitsministerium und Ärzteschaft begründen aus rechtlicher und fachlicher Sicht plausibel und nachvollziehbar  Maßnahmen, die einen ausreichenden Impfschutz der Bevölkerung in Deutschland gewährleisten können. Klar und deutlich, endlich, wird auf das verantwortungslose Verhalten von Eltern gegenüber ihren eigenen Kindern, anderen Kindern und auch der sonstige Bevölkerung hingewiesen, wenn sie sich nicht nur der Impfung selbst sondern sogar der Impfberatung aktiv entziehen.

Die Konsequenz der Wiedereinführung einer  Impfpflicht ist diesem Verhalten geschuldet.

Der  nicht ausreichende Impfschutz gefährdet gerade auch die Gruppen von Menschen, deren Interessen der Sozialverband Deutschland vertritt:

Menschen mit Behinderungen durch angeborene oder erworbene Erkrankungen, die  auch zur Impfunfähigkeit führen können, sind besonders bedroht, wenn sie mit krankheitsübertagenden nicht geimpften Menschen zusammentreffen. Das gleiche betrifft Menschen in hohem Lebensalter mit ihrer allgemein geschwächten Abwehrlage.

Armut ist ein hohes Gesundheitsrisiko. Dieses wird verstärkt, wenn Kinder von Menschen aus dem Arbeitslosen- oder Niedriglohnbereich durch  nichtgeimpfte Kinder infiziert werden und erkranken. Ihre Eltern stehen dann für längere Zeit  für eine Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung  oder erleiden wesentliche finanzielle Einbußen bei schon sehr  geringem Einkommen.

So etwas kann unsere auf den Prinzipien des Sozialstaates und der Solidarität beruhende Gesellschaft nicht hinnehmen. Rechtliche Maßnahmen sind erforderlich.

Dese aber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinderbetreuungseinrichtungen aufzulasten, kann nicht akzeptiert werden. Die Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen, Krippenerzieherinnen sind  nicht die Gesundheitspolizei des Staates.

Was ist zu tun?

Regelmäßige kinderärztliche Betreuung in auch den notwendigen Impfrhytmus sichernden Abständen muß verpflichtend für alle Kinder  gewährleistet sein.

Die Aufnahme in Kinderbetreuungseinrichtungen, auch private, in denen mehrere Kinder betreut werden, muß an den erfüllten Impfstatus gebunden werden.

Sprechen schwerwiegende gesundheitliche Bedenken gegen die Möglichkeit des Impfens im Einzelfalle muß dafür Sorge getragen werden,

daß alle anderen Kinder in der betreffenden Betreuungseinrichtung geimpft sind,

daß regelmäßige zusätzliche ärztliche Kontrollen in diesen Einrichtungen stattfinden,

daß die Eltern der geimpften Kinder über nicht vorhandenen  Impfschutz bei anderen Kindern in der von ihnen gewählten Einrichtung aufgeklärt sind

und, daß die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter solcher Kinderbetreuungseinrichtungen besonders geschult werden bezüglich  der  Früherkennung von Krankheitszeichen, die im Zusammenhang mit dem im Einzelfalle nicht gegebenen Impfschutz auftreten können.

Es kann somit nicht dabei bleiben, ein Gesetz, verbunden mit Zwangsandrohungen, zu verabschieden, sondern es muß  von der handelnde Gesundheits-, Arbeits- und Sozialpolitik gemeinsam mit Betroffenen, mit Ärzten und Verbänden ein Modell der  tatsächlich ausreichenden gesundheitlichen  Betreuung und ein System der Vorsorge

für alle Kinder entwickelt werden und zwar zügig.

 

Dr. med. H. Seidlein

Landesvorsitzender

SoVD Mecklenburg - Vorpommern