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Pressemitteilung 2 vom 20.09.2017

Weltkindertag (2)

Am 20. September ist der UN Weltkindertag.  Dann werden viele Politikerinnen und Politiker zum wiederholten Male auf die so unterschiedliche, teilweise außerordentlich schwierige Situation der Kinder in verschiedenen Teilen unserer Welt

hinweisen. Es wird von Kindersoldaten in Afrika  die Rede sein, von ausgebeuteten Kindern in Bangladesch , von armen Kindern in Deutschland. Es wird viel Empörung  zur Schau gestellt werden, Forderungen erhoben und  Hilfspakete gefordert werden. Verschiedenste NSO (Nichtstaatliche Organisationen) werden mit anrührenden und auch schrecklichen  Bildern an Mitgefühl und Pflicht zur Unterstützung appellieren.

Dies ist in jedem Jahr so, und das ist richtig so. Aber es ist nicht genug, weil es sich eben jedes Jahr wiederholt, weil schon viele Milliarden staatlicher Gelder und Spenden, vor allen Digen auch aus Deutschland, hingeflossen sind zu den Bedürftigen. Es ist nicht festzustellen, daß diese Gelder eine tatsächliche nachhaltige Hilfe gewesen sind. Die Ursachen dafür sind sicherlich vielfältig: Ausufernde Bürokratie, Bevölkerungsexplosionen, Versickern der Gelder bevor sie bei den Bedürftigen angekommen sind, aber auch Unfähigkeit der empfangenden Eltern, die Unterstützungen für eine tatsächliche Zukunftsicherung der Familie zu nutzen. Wer Hilfe bekommt, soll damit auch in den Stand gesetzt werden, eigene Kompetenzen, die jeder Mensch hat, zu entwickeln, um künftig  auf Zuwendungen verzichten zu können.

Allerdings wird manches Mal deutlich, daß dies von den Gebern gar nicht gewollt wird.   Insbesondere bei den stattlichen Zuwendungen muß bedacht werden,welch große Investitionsprogramm diese Hilfssendungen für die Herkunftsländer darstellen. Und es muß auch darauf geachtet werden, daß die zumeist in die betroffenen Gebiete Fertigprodukte geschafft werden, die verhindern, daß vor Ort eigene Initiativen entwickelt werden können, die längerfristig die Abhängigkeit von Spenden beseitigen könnten, damit aber auch einen Markt für Produkte aus den sendenden Ländern schließen würden.

Wir haben schon oft vor den negativen Folgen des alleinigen Gebens gewarnt und setzen uns dafür ein, die Entwicklungspolitik und die Politik der Hilfe für Bedürftige vom reinen Geben in eine  unterstützente Hilfe  zu ändern: Die Gabe soll für die Zukunft unabhängig machen von weiteren Gaben!

Den Kindern Essen zu geben, sichert deren Leben, den Eltern der Kinder Werkzeug und Material zu geben, sichert für alle die Zukunft.

Wir fordern am Weltkindertag für alle Kinder eine Zukunft, in der sie leben können und leben möchten und an der sie selbst aktiv und nicht nur als Nehmende mit bauen können.

Weniger deutlich wird auf die Pflicht der Eltern hingewiesen, und das ist nicht richtig so.

Auch in unserem Land wird  eingefordert, daß Staat, Schulen, und  Organisationen  alles tun müssten, den Kindern eine unbeschwerte Kindheit zu ermögliche

Richtig ist, daß wir, die Bürger in diesem Land, unseren Staat beauftragt haben, Rahmenbedingungen für eine gute Entwicklung unserer Kinder  bereitzustellen. Dies beginnt mit ausreichenden Kapazitäten in der Schwangerenbetreuung , mit der Ausbildung genügend vieler Hebammen, reicht über  Krippen- und Kindergartenplätze bis hin zu  modernen gut ausgestatteten Schulen mit ausreichendem hochmotiviertem Lehrerkollegium und pädagogischem Hilfspersonal.  Für alle Schulabgänger müssen Ausbildungs- und Studienplätze zur  Verfügung stehen. Finanzielle Unterstützung für die Auszubildenden muß erfolgen statt Ausbildungsgelder einzuziehen.

Eine Schule für alle, eine Grundforderung der Inclusion, muß aber auch bedeuten, eine gleiche Schule für alle. Schulen für Priveligierte, Schulen für Kinder von Politikerinnen und Politikern darf es nicht geben. Gleiche Chancen, wie von allen Parteien eingefordert, können nur in einem für alle Kinder einheitlichem Schulsystem gesichert werden.

Und dieses einheitliche Schulsystem schließt die gleiche Verantwortung  aller Mütter und Väter für die Entwicklung und Erziehung ihrer Kinder mit ein. Elternhaus und Schule müssen nach gleichen  Maßstäben und gemeinsam daran arbeiten, allen Kindern eine gute Basis für ihr weiteres Leben zu geben.

Da ist noch viel zu tun.

Dr.med. Helmhold Seidlein

SoVD Landesvorsitzender Mecklenburg – Vorpommern