Pressemitteilung vom 31.07.2016

Wohnen, um zu leben

Die Unversehrtheit der Wohnung ist durch das Grundgesetz geschützt.

Nicht sagt das Grundgesetz dazu, welches Recht es gibt, in einem solch geschützten Raum zu leben.

Eine Wohnung ist etwas sehr Individuelles, andererseits ist die Bereitstellung von  Raum zum Wohnen  eine der Grundaufgaben der solidarischen Gesellschaft.  Wenn große Flächen eines Staates Privatbesitz sind, so ist es dennoch nicht allein Privatsache,  was auf diesen Flächen geschieht. Erst rechts nicht ist es allein der freien Entscheidung politisch Handelnder zu überlassen, was mit Grund und Boden des Staates, also der Gemeinschaft geschieht.

So oder so, ist Grund und Boden in ausreichendem Umfange zur Verfügung zu stellen oder freizugeben zur Schaffung von Quartieren, in denen menschenwürdig gewohnt und gelebt  werden kann .

Natürlich gibt es kein Menschenrecht auf Wohnen im Eigenheim, wie es ein früherer Bundesbauminister einmal verkündet hat. Flächen in geeignetem Raum sind endlich. Sie müssen für viele Menschen, meist in Familien, zunehmend aber auch in singulärer Lebensform Rückzugsmöglichkeiten und besondere Orte der individuellen Entfaltung, besonders um Familien, den Keimzellen der Gesellschaft, Lebensmittelpunkte zu geben, bieten. Gleichzeitig darf  aber nicht der endliche, unserer Ernährung und der Erhaltung eines gesunden Ökosystemes dienende Boden, aufgebraucht werden. Die Zersiedelung und Vernichtung von weiten Landschaften im Südwesten unseres Landes legt davon ein schreckliches Zeugnis ab.

Das sogen. Eigenheim  hat seinen Ursprung doch im Leben mehrerer Generationen unter dem eigenen Dach zum Zwecke der Arbeit. Dem Wohnbereich nahe waren Tierställe, Lagerräume, Werkstätten u.s.w. . Viele Hof- und Fabriklagen in unserem weiten Bundesland haben heute noch Belege dieser Vergangenheit. Ein Haus, allein um darin zu wohnen, allein mit einer Familie darin zu wohnen, dies kam erst auf, als in einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht ausreichende Mittel zur Verfügung standen. Eine Lösung für den größten Teil der Bevölkerung war dies nicht. Später errichteten Industrieunternehmen Werkssiedlungen, arbeitsplatznah. Dies verbesserte die soziale Situation der Arbeiter nur anscheinend, der Weg zum Arbeitsplatz wurde verkürzt, die Bindung, Fesselung an das Unternehmen wurde unumkehrbar, die Ware Arbeitskraft noch greifbarer und angreifbarer.

In einer zahlenmäßig wachsenden Gesellschaft bei gleichzeitiger Singularisierung steigt der Bedarf an Wohnraum an. Zunehmender Wohlstand weckt den Wunsch nach sehr großzügig Interpretation des anerkannten Rechtes auf  Wohnung. Hohe Mobilität und immerwährende elektronische Kommunikationsmöglichkeiten sehr vieler Menschen  in unerem Deutschland schaffen Begehr nach Rückzugsmöglichkeiten, Wunsch nach Wohnen überall in bevorzugten Lagen an vielen Orten auch in Mecklenburg - Vorpommern. Dies führt zu einem immer mehr, auch in  unseren Ballungszentren wahrnehmbaren Widerspruch zwischen den Wünschen und Bedürfnissen der überwiegenden Anzahl der  ständig dort Lebenden und denen, die als Miobilista kurzfristig, manchmal auch überhaupt nicht, die für sie bereitgestellten großzügigen Wohnflächen nutzen.

Dieser Trend hat durch weite teile des deutschen Mittelstand erfaßt : Nebenwohnungen, Zweitwohnungen, Ferienwohnungen.... Das Projekt „Kraft durch Freude“ in Prora auf der Insel Rügen ist ein Beispiel dafür, ein sehr schlimmes.                                                          Daneben die zunehmende Zahl derer, die in den wichtigen Städten, insbesondere den alten Universitätsstandorten, in langen Schlangen anstehen, falls tatsächlich  Wohnraum angeboten wird, und bereit sind, viel, sehr viel, zuviel an Vermieter und Verkäufer zu geben, um eigenen Wohnraum zu haben.

Ein Verdrängungswettbewerb ist zu beobachten. Ganze Quartiere  fallen Spekulanten in  die Hände oder werden aus Spekulationszwecken errichtet.

Flächen, die aus verschiedensten Gründen  einen Nutzungswandel zulassen, also auch eine Errichtung von neuen Quartieren ermöglichen, werden in sehr großem Umfange in diese Spekulationen einbezogen und unter fadenscheinigen Gründen der sozialen Nutzung entzogen.

 

Was ist zu fordern : In allen  Wohngebieten unseres Landes: koordinierte, zukunftsorientierte, soziale Belange zuvorderst berücksichtigende Planung und Bebauung möglichst von umgewidmeten Altflächen und bei Schonung der Böden und sonstigen natürlichen Ressourcen, die unser Land noch hat, die aber gerade in den möglichen Rückzugsgebieten für intensiv arbeitende Menschen, immer mehr zerstört werden: Küstenregionen, Inseln, Binnenseen.....

Tatsächlich sich der Stadtgemeinschaft verpflichtet fühlende Architekten und Planer  erkennen gerade jetzt die große Idee von vor einigen Jahrzehnten entstandenen Stadtquartieren mit großzügigen Grünflächen, sozialen Einrichtungen in Wohnungsnähe, Arbeitsmöglichkeiten in den Quartieren und gut ausgebauten Verkehrsanbindungen. Sie erkennen den gesellschaftlichen Nutzen von Wohn- und Lebensmöglichkeiten von sehr vielen Menschen auf wenig Fläche durch das Bauen in die Höhe und machen Schluß mit der Verteufelung von Wohnhochhäusern als gleichbedeutend mit Quartier von Menschen  mit geringem sozialen Status. Sie erkennen den individuellen und gesellschaftlichen nutzen von jahrzehntelanger Bindung von Menschen an Wohnungen in solchen  Häusern und sie haben sehr gut herausgearbeitet, da Wohnen unter einer großen Anzahl anderer Menschen nicht it Verlust der Eigenverantwortung für das eigene Quartier einhergehen muß. Viele gute Beispiele wären aufzuführen, in denen Frauen und Männer für Ordnung und Sauberkeit und auch Sicherheit im Kietz sorgen, in denen sie in freundschaftlicher Nachbarschaftshilfe Kinderbetreuung für arbeitende Mütter übernehmen z.B. dann, wenn gerade wieder einmal die Kindergärten bestreikt werden. Hilfe bei der Erledigung von Hausaufgaben, Unterstützung bei Einkäufen für erkrankte Mitbewohner....

Natürlich Ehrenamt, ist ohne Hauptamt nicht möglich. Hier muß die Politik mehr Möglichkeiten schaffen.

Unser soziales demokratisches Gemeinwesen lebt in den deutschen Städten doch gerade und besonders in diesen Gemeinschaften in Wohnquartieren. Wenn diese Möglichkeiten nicht oder nicht mehr vorhanden sind oder wenn sie für die wachsende Bürgerzahl in neuer  sozialer Zusammensetzung nicht geschaffen werden, ist der Gesellschafsentwurf der inclusion, zu dessen Umsetzung sich auch Deutschland vertraglich verpflichtet hat, nicht zu realisieren. Aber gerade die Inklusion  bietet die Möglichkeit, um auch die aktuellen gesellschaftlichen Probleme einer Lösung zuzuführen.

Was ist zu fordern

1.      Masterplan für Lebens- und möglichst gleichzeitig Arbeitsquartiere  in den jetzigen Stadtgrenzen mit wohnungsnahen Nutzungsmöglichkeiten von Betreuung, Schule, Sport, Kultur, Medizin, Pflege ,Religion und  Bestattungsplätzen, für politische Betätigung in Parteien, Vereinen, Organisationen sowie Erstellung eines Sicherheitskonzeptes für alle im Quartier Wohnende aber zuvorderst für besonders Schutzbedürftige : Kinder, Alte, Behinderte, Frauen, Menschen ohne festen Wohnsitz

2.     Wohnungsentgeld in solcher Höhe, daß mit dem Einkommen, gleich ob aus abhängiger Arbeit, selbständiger Arbeit oder Ersatzleistungen insgesamt ein menschenwürdiges Leben gesichert ist.

3.     Dies kann nur Aufgabe der handelnden Politik sein. Sie kann sich dazu privatwirtschaftlicher Erfahrungen, Kenntnisse und Fertigkeiten beratend aber nicht wesentlich  entscheidungsbeeinflussend bedienen

4.      Schnelle Entscheidungsmöglichkeiten  bei Konflikten zwischen Einzel- und Gruppeninteressen

5.     Schutz der Menschen und ihrer Umwelt  hat Vorrang vor Schutz des Denkmals

6.    Die Sicherheit der Menschen hat Vorrang gegenüber individuellen, die allgemeine Sicherheit beeinträchtigenden, Lebensentwürfen oder Lebensgewohnheiten

7.     Vorrang der sozialen Nutzung von Flächen gegenüber der individuellen Nutzung

8.     Striktes auch rückwirkendes Verbot der Fehlnutzung von Wohnraum

9.     Unterstützung aller Bürgeraktivitäten für das Vielgenerationen- und das vielnationale Miteinander 

10.  Vermeidung von geschlossenen Bereichen innerhalb der Stadtfläche für Reiche, für Arme, für Junge, für Alte für Altbürger, für Neubürger, für Großfamilien, für Singles u.s.w.

11.  Gezielte und kontinuierliche Unterstützung des Ehrenamtes durch das qualifizierte Hauptamt

12. Transparente Information aller Interessierten als Voraussetzung für individuelles und Gruppenengagement. Diese Informationen sollen für alle verständlich sein , und sie sollen  für alle Arten von Behinderungen in geeigneter Weise publiziert werden

13.  Schutz der natürlichen Ressourcen vor letztendlicher unumkehrbarer  Zerstörung