PM vom 26.10.2014

Eine wahre Geschichte

Zwei Männer treffen sich nach langer Zeit wieder, ein sehr alter und ein auch nicht mehr junger.

Als sie sich vor einigen Jahrzehnten getroffen hatten, war der eine nicht mehr jung, der andere aber doch. Der eine war krank, sehr krank, so krank dass er ein Bein opfern musste. Der andere  half ihm dabei, dieses schlimme Ereignis, diesen Schicksalsschlag zu überwinden und mit Hilfe der operativen Orthopädie zum einen sein Leben zu retten und zum andern mit Hilfe der Prothesenbauer nach den Ideen der Orthopäden wieder Beweglichkeit und Mobilität zu erlangen.

Die prothetische Versorgung war gut.  Der nicht mehr junge Mann fand in sein Leben zurück, der junge Orthopäde hatte in der Betreuung, in der Behandlung und in der Rehabilitation Erfahrungen sammeln können, die seinen weiteren Berufsweg über viele Jahre operativer Orthopädie und dann noch einmal so viele Jahre über die rehabilitative Orthopädie prägten.

Nun war der sehr alte Mann, wie andere Männer in seinem Alter auch, in seiner Gehfähigkeit eingeschränkt, nicht weil ihm ein Bein fehlt, sondern eben weil er sehr alt ist.

Ein Rollstuhl ermöglichte ihm dennoch das, was wir heute mit Teilhabe bezeichnen. Auch zu seiner Fußballmannschaft konnte er fahren. Der Weg war ihm vertraut, die Menschen in seiner vorpommerschen Stadt kannten und respektierten ihn, den sehr alten Mann im Rollstuhl auf dem Weg zum Fußball.

Es zeiget sich aber, dass ein alter Rollstuhl eher kaputt geht, als dass ein sehr alter Mann  sich in den Sessel zurückziehen will. Nun musste ein neuer Rollstuhl her, und jetzt  plötzlich, als die entsprechenden Anträge bei den entsprechenden Stellen an den entsprechenden Schreibtischen vorgebracht wurden, an denen jetzt nicht mehr die Menschen saßen, wie damals, als wegen des fehlenden Beines schon Anträge gestellt werden mussten, vor Jahrzehnten, dass diese neuen Menschen neue Ansichten hatten, und sie mit den sich zwischenzeitlich geänderten Grundeinsichten von Fürsorge zur Teilhabe nichts am Hut haben wollten. Wieso Rollstuhl, und dann noch Elektrorollstuhl, und wieso zum Fußball, wieso nicht in der Wohnung, wo doch außerhalb des Wohnraumes  so viele Gefahren auf einen sehr alten Mann lauerten und ihn bedrohten?

Teilhabe hin, Teilhabe her, ein so  sehr alter Mann soll gefälligst zu Hause bleiben.

Der sehr alte Mann wurde traurig und auch etwas zornig, aber er war zwar sehr alt aber sehr wach und klug, und er hatte Freunde, schon viele Jahre. Er war schon sehr lange Mitglied im Sozialverband Deutschland SoVD.         Das Leben nimmt manches Mal unerwarteter Wege. Der damals sehr junge Arzt war nun auch  als nicht mehr junger Arzt  noch voll im Berufsleben und  dazu noch  Landesvorsitzender des Sozialverband Deutschland in Mecklenburg - Vorpommern und auch sonst sehr sozial engagiert. Er sprach immer davon " Der Sozialverband Deutschland in Mecklenburg - Vorpommern - Die Sozialen, das sind wir".

Und so wandte sich der sehr alte Mann an seinen Arzt, seinen Landesvorsitzenden. Der handelte.

Wunderbarerweise, eben vernünftigerweise, erkannten die maßgeblichen Stellen jetzt, dass auch sehr alte Menschen ein Recht auf Teilhabe haben, dass auch sehr alte Menschen genauso, eigentlich noch intensiver, als jüngere Menschen, betreut, sichernd begleitet, aber nicht entmündigt werden dürfen.

Der sehr alte Mann fährt jetzt  mit dem neuen Rollstuhl zum Fußball und überall dorthin wohin er will.

Der nicht mehr junge Arzt und Rehabilitationsmediziner hat wieder einmal helfen können, das Gewirr  von Vorschriften, Anordnungen, Gesetzen und Verordnungen zum Wohle behinderter Menschen zu entwirren und sinnvoll zu nutzen, der Sozialverband Deutschland- Die Sozialen in Mecklenburg - Vorpommern konnte wieder einmal helfen.

Der sehr alte Mann hat seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln empfohlen, auch Mitglied im Sozialverband Deutschland zu werden.


Da kommt Hilfe in sozialen Frage – bestimmt !

 

Dr. med. Helmhold Seidlein  

Landevorsitzender SoVD Mecklenburg – Vorpommern