PM vom 17.07.2009

Mitteilung zum Gespräch des SPA mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg/ Vorpommern Herrn Dr. med. Wolfgang Eckert in Schwerin am 17.07.2009

Erfolgreicher und richtungsweisender Gedankenaustausch zwischen den Mitgliedern des Sozialpolitischen Ausschusses des Landesverbandes und dem Aufsichtsratvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung in unserem Land

 Am 17.Juli 2009empfing Herr Dr. Eckert mit seinen Mitarbeitern die Mitglieder des Sozialpolitischen Ausschusses unseres Landesverbandes am Sitz der Kassenärztlichen Vereinigung in Schwerin.

Kameradin Inge Wegener hatte, nachdem im SPA die Notwendigkeit für ein solches Gespräch festgestellt worden war, um diesen Termin nachgesucht.

Der Vorsitzendes des SPA , Kamerad Dr. Helmhold Seidlein ,hatte die für den SPA  wichtigen Fragen, auf die im Gespräch eingegangen werden sollte in einem umfangreichen Schreiben mit den dazugehörigen Hintergrundinformationen an Herrn Dr. Eckert übermittelt.

Kameradin Inge Wegener, Kamerad Ehrke und Kamerad Dr. Helmhold Seidlein besprachen mit Dr. Eckert und seiner Mitarbeitern im Laufe des zweistündigen Gedankenaustausches auch tatsächlich alle vom Sozialverband Deutschland Landesverband M/V aufgeworfenen Fragen.

Aber nicht nur dies war sehr erfreulich und durchaus ungewöhnlich für solche Zusammenkünfte.

 Herr Dr. Eckert begrüßte unsere SPA – Mitglieder, stellte ihnen drei seiner wichtigen Mitarbeiter vor und referierte 45 Minuten über die Arbeit der Kassenärztlichen Vereinigung unter den speziellen Bedingungen in Mecklenburg / Vorpommern.

Er zeigte sich dabei außerordentlich engagiert sowohl für die belange der im Lande tätigen Kassenärzte als auch, und dies ganz besonders, für die Belange der Patienten .

Was wurde deutlich in diesem Referat ?

Das Land verfügt über eine Vielzahl hochqualifizierter und engagierter Ärzte.

Die Ärzte im Lande müssen sich um ihre soziale Lage, d.h. um ihre Vergütung, keine Sorgen machen. Sie ist auch im Vergleich mit anderen Bundesländern sehr gut.

Der Bedarf an Ärzten, insbesondere am  niedergelassenen Hausärzten, aber auch an Fachärzten einiger Fachrichtungen, z, B. Augenheilkunde, kann nicht in allen Landesteilen gedeckt werden, wobei künftig eine Zunahme der Unterdeckung angenommen werden kann.

Die Kassenärztliche Vereinigung M/V arbeitet in vielen Bereichen, um den bestehenden und absehbaren zunehmenden Ärztemangel wirksam zu entgegnen:

Es erfolgen immer wieder Gespräche mit der Politik

Es erfolgen Gespräche mit den Krankenkassen.

Es erfolgen Gespräche, Seminare und sonstige Veranstaltungen an den beiden Medizinischen Fakultäten unseres Landes, mit dem Ziel, Absolventen für eine Arbeit in Mecklenburg /Vorpommern zu gewinnen.

Es werden eine Vielzahl von Weiterbildungsangeboten an alle niedergelassenen Ä’rzte gerichtet.

Es wird im Herbst 2009 an der Universität Rostock ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet mit ganz wesentlicher finanzieller Unterstützung durch die Kassenärztliche Vereinigung M/V, um diesem Fachgebiet, auf dem der größte Ärztemangel besteht, ein Forum für wissenschaftliche  Betätigung zu schaffen .

Im Weiteren ging der Vorstandsvorsitzende der KV M/V auf alle ihm  vom Sozialverband Deutschland, Landesverband Mecklenburg/ Vorpommern gestellten Fragen ein:

1.

Der Sozialverband Deutschland sieht die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Auftrages zur medizinischen Sicherstellung, der umfänglich sein muss bezogen auf permanente Ansprechbarkeit, vertretbare Erreichbarkeit, fachliche Kompetenz und Unabhängigkeit von privatwirtschaftlichen Bindungen.

Wir sind der Meinung, dass eine Organisationsstruktur wie die Kassenärztliche Vereinigung M/V sie bietet sehr dazu geeignet ist, diese Sicherstellung zu realisieren und auch langfristig zu garantieren.

Welche Konzepte liegen bei der Kassenärztlichen Vereinigung M/V vor, dem objektiven Ärztemangel, der diesen Sicherstellungsauftrag gefährdet entgegenzuwirken und die Qualität der medizinischen Sicherstellung permanent auf einem solch hohen Niveau zu halten, dass von den hilfesuchenden Bürgern kein Defizit wahrgenommen wird?

Gibt es konkret Beispiele oder auch geplante Vorhaben der Nachwuchsgewinnung für Kassenärztliche Tätigkeit in unserem Land durch KV-Aktivitäten an den beiden Medizinischen Fakultäten unseres Landes?

2.

Welche Konzepte liegen bei der Kassenärztlichen Vereinigung M/V vor, um allen Menschen in unserem Lande einen tatsächlich barrierefreien Zugang zu ambulanten medizinischen Leistungen zu ermöglichen? 


3.

Welche Rolle spielt die geforderte Barrierefreiheit bei der Vergabe von Kassenarztpraxen?

4.

Sieht die Kassenärztliche Vereinigung M/V in der Bildung von Medizinischen Versorgungszentren die Möglichkeit einer tatsächlichen Verbesserung, oder zu mindest eines Stabilisierung der ambulanten medizinischen Betreuung in unserem Land?

5.

Hat die Kassenärztliche Vereinigung M/V konkrete Pläne für langfristige Sicherung der notfallmedizinischen Betreuung in allen Gebieten unseres Landes, insbesondere in den ländlichen Bereichen?

6.

Sieht die Kassenärztliche Vereinigung M/V Möglichkeiten über die Beratungsstellen des Sozialverband Deutschland Informationen zu tatsächlichen und nicht gefühlt wahrgenommenen Leistungen der Kassenärzte in der täglichen Praxisarbeit und im Bereitschaftsdienst an die Mitglieder des Verbandes und Ratsuchende zu vermitteln?

7.

Sieht die Kassenärztliche Vereinigung M/V Möglichkeiten oder sieht sie überhaupt den Bedarf der medizinischen Sicherstellung in den Pflegeeinrichtungen des Landes durch dafür eingestellte Ärzte oder speziell geschulte Ärzte aus verschiedenen Bereichen im Rahmen von zusätzlichen Arbeitsrechtsverhältnissen?

8.

Welche Schritte hat die Kassenärztliche Vereinigung M/V eingeleitet bzw. beabsichtigt sie einzuleiten, um die Anzahl der Ärzte, insbesondere der Hausärzte, die Anträge zur Durchführung medizinischer Vorsorgeleistungen auf den Formblättern 61 und 61a erstellen dürfen , die derzeit bei rund 30 % der Infrage kommenden liegen soll, deutlich zu erhöhen und damit mehr Bürgern als bisher die Wahrnehmung dieses gesetzlichen Auftrages an die Krankenkassen zu ermöglichen?

 

Die SPA – Mitglieder hatten nicht erwartet, dass  ausreichend Zeit sein würde, auf alle diese Fragen Antwort zu erhalten. Sie wurden  sehr angenehm überrascht. Nicht nur, dass Dr. Eckert tatsächlich auf alle Fragen einging, er hatte auch ein Positionspapier zu den  hauptsächlich vorgetragenen Problemen, die die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Versorgung in Mecklenburg /Vorpommern betrafen, vorbereiten lassen und übergab es der SoVD – Delegation:

 

 

Die wichtigsten Punkte sollen für die Leser unserer Verbandszeitung zusammengefasst werden. Die umfangreichen Materialien können über den Landesverband aber auch allen Orts- und Kreisverbänden zur Verfügung gestellt werden:

In unserem Lande gibt es eine umfassende ambulante medizinische Versorgung durch 2863 Ärzte und Physiotherapeuten, davon 1.266. Hausärzte für die rund 1,5 Mill. gesetzlich Krankenversicherten. Die Betreuung erfolgt rund um die Uhr. Im Jahr gibt es rund 11,6 Millionen Behandlungsfälle.

Die Qualität dieser ambulanten medizinischen Betreuung unterliegt der permanenten und strengen Qualitätskontrolle durch die KV M/V. Den Forderungen nach permanenter Aus- und Weiterbildung durch Erlangung von sogen. Weiterbildungspunkten kamen in den letzten 5 Jahren mehr als 90 % aller niedergelassenen Ärzte nach.

Um diese Qualität zu erhalten  werden alle Anstrengungen unternommen, um die derzeit 103 nicht besetzten Hausarztpraxen schnellstmöglich an interessierte und geeignete Ärzte zu übergeben.

Auch die Aufhebung der Altersbegrenzung für die praktische medizinische Tätigkeit von Ärzten soll dazu beitragen, dem Ärztemangel entgegenzuwirken.

Die Kassenärztliche Vereinigung wendet erhebliche Mittel auf, um im Gesundheitsland Mecklenburg /Vorpommern für Einwohner und die vielen Gäste eine flächendeckende Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung zu gewährleisten:

Die allgemeinmedizinische Weiterbildung wird mit 400.000 Euro pro Jahr gefördert.

An der Universität wird eine Stiftungsprofessur für Allgemeinmedizin eingerichtet. Die bereitgestellten Mittel durch die KV liegen bei 2,4 Mill. Euro

Famulaturen von  eventuell an einer allgemeinärztlichen Tätigkeit Interessierten werden mit 50.000 Euro pro Jahr gefördert

Allgemeinmedizinische Lehrpraxen werden im Jahr mit 10.000 Euro unterstützt.  


Die Kassenärztliche Vereinigung M/V nutzt alle Möglichkeiten, auf politische Entscheidungsträger einzuwirken mit u.a. mit den Zielen

Eine Landeskinderregeklung für die Zulassung zum Medizinstudium durchzusetzen. Es ist gut nachvollziehbar, dass Studenten aus anderen Bundesländern viel eher in ihre Heimatländer zurückkehren werden als Studenten, die studienortnah aufgewachsen, hier beheimatet sind. Entsprechend müssen die Studienplätze bevorzugt an Bewerber aus Mecklenburg Vorpommern vergeben werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung MV gewährt Investitionszuschüsse für Zulassungen in von Unterbesetzung bedrohten Landesbereichen. Dabei handelt es sich um immerhin 50.000 Euro pro Praxis.

Auch die KV M/V bemüht sich um Anwerbung qualifizierter ausländischer, bevorzugt polnischer Ärzte. Dabei ist sie sich sehr wohl der Vielschichtigkeit des Problemes bewusst, werden doch damit Probleme unseres Landes zu Problemen unserer Nachbarn gemacht.

Einer sehr wichtigen Aufgabe hat sich die KV M/V noch angenommen. Viele Umfragen, aus persönlichen Erleben können das sicherlich viele unserer Mitglieder  bestätigen, unter den Ärzten zeigen, dass die Freude am Arztberuf ganz erheblich beeinträchtigt wird, durch die  alles überwuchernde Bürokratie. Hier Abhilfe zu schaffen ( „Ein Formular für alles!), würde für viele Ärzte eine Erleichterung der täglichen Arbeit darstellen und auch mehr Freiraum schaffen, sich den Problemen des Patienten durch direkte persönliche Zuwendung zu widmen. Es wurde ausgerechnet, dass in einer Praxis bis zu einem Drittel mehr Patienten gut betreut werden können, wenn der Formularwust auf ein den tatsächlichen Erfordernissen entsprechendes Maß zurückgefahren werden könnte. Dies würde u.a. zur Voraussetzung haben, dass die Rechtsaufsicht der zuständigen Ministerien nicht immer wieder Einfluß auf die Fachaufsicht nehmen würde.

Auch Medizinische Versorgungszentren können  zur besseren Betreuung von Patienten beitragen. Voraussetzung hier ist allerdings, dass Modelle entwickelt und umgesetzt werden, die dem tatsächlichen Anliegen solcher Zentren gerecht werden und nicht auf die eine oder andere Art5r und Weise einer Gewinnmaximierung dienen.

Unter solchen Voraussetzungen würde sich die Diskussion um eine Prioritätenlisten ebenfalls von selbst erledigen.

 

Zur Situation in den Pflegeheimen verwies Dr. Eckert auf das Programm „Pflegeheim Plus“.

Es wurden Ärzte gewonnen, die die medizinische Betreuung von Heimbewohnern im Heim sicherstellen.

Über Vortrag des Vorstandsvorsitzenden und seine Ausführungen zu den Fragen des SoVD wurde  von den sechs Gesprächspartnern intensiv diskutiert.

Eines soll aus der Sicht des Sozialpolitischen Ausschusses besonders hervorgehoben werden: Entgegen landläufiger Meinung zeigten sich die Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung offen in der Diskussion, allumfassend informiert und konzeptionell auf die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft gut gerüstet.

Wir möchten deshalb alle Mitglieder unseres Verbandes auffordern, Probleme, Erfahrungen u.s.w., die dem Verantwortungsbereich der Kassenärztlichen Vereinigung unterliegen an den Landesvorstand des Sozialverbandes M/V zu senden oder auch direkt an die Mitglieder des SPA zu adressieren. Wir wurden vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Eckert ausdrücklich zur Diskussion aufgefordert. Wir wollen dieses Angebot annehmen. Es geht um nicht mehr und nicht webniger als unser aller gesundheitliche Betreuung. Es geht im Speziellen auch um den Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung nicht nur für die Besetzung der Praxen sondern auch für die Gewährleistung von Bereitschaftsdiensten.

Dieser Sicherstellungsauftrag darf nicht von der Kassenärztlichen Vereinigung weggenommen und in private Hände gelegt werden. Die Sorge um Gesundheit und Betreuung der Krankheit muß sozialisiert bleiben und darf nicht der Gewinnmaximierung dienen.

Der Auftrag der KV hat sich über viele Jahrzehnte in verschiedenen Gesellschaftssituationen bewährt. Wird die kassenärztliche Vereinigung den Sicherstellungsauftrag zurückgeben oder wird er ihr entzogen, wird sich die Betreuung der Menschen in unserem Lande verschlechtern, wesentlich verschlechtern. Gerade in einem Flächenland wie M/V werden dann „unrentable“ Bereiche minderversorgt sein zum Nachteil der dort lebenden Menschen. Der SPA des SoVD - Landesverbandes hat der Kassenärztlichen Vereinigung M/V unmissverständlich die Unterstützung bei der Bewahrung des Sicherstellungsauftrages zugesichert. Es gibt kein alternatives Modell für eine medizinische Betreuung unserer Bevölkerung außerhalb dieses Sicherstellungsauftrages, welches in der Lage wäre bei gleich bleibender Qualität medizinischer Betreuung den Herausforderungen der demografischen Entwicklung erfolgreich zu begegnen.

Aufgeschlossen zeigten sich die Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung auch gegenüber dem Vorhaben des SoVD eine Aktion „Barrierefreie Praxis“ durchzuführen. Die SPA - Mitglieder erläuterten, dass Inclusion nicht ohne Barrierefreiheit in allen medizinischen Bereichen sowohl besonders für die Patientinnen und Patienten aber selbstverständlich auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heilberufe möglich ist.

In der Diskussion wurden auch die Probleme der Rehabilitation in unserem Lande besprochen, dem Bundesland mit der größten Dichte an Rehabilitationseinrichtungen, immerhin 63.

Etwa zwei Drittel der infragekommenden Ärzte in Mecklenburg /Vorpommern haben die Kurse besucht, die sie berechtigen stationäre Vorsorgeleistungen (stationäre Rehabilitationen) zu Lasten der GKV zu beantragen. Hier ist es Sache der Versicherten, die gesetzlichen  Verpflichtungen wie sie sich aus dem Text des Sozialgesetzbuches V ergeben auch einzufordern, wie es Sache der betreuenden Ärzte ist, die  Versicherten auf diese Möglichkeiten auch nachdrücklich hinzuweisen.

Hervorzuheben ist das eindeutige Bekenntnis der Kassenärztlichen Vereinigung zum humanitären Auftrag der Medizin, zur solidarischen Verantwortung und zum Geist des Hippokrates – Eides:

Die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg /Vorpommern kennt keinen durchschnittlichen Patienten, keine durchschnittlichen Krankheiten und keine durchschnittlichen Ärzte.

Der dem Arzt gegenübersitzende Patient ist prominent. Der dem Patienten gegenübersitzende Arzt ist sein Arzt! 


Beide Seiten resümierten ein gutes vertrauensvolles Gespräch, hoben Offenheit der Fragen und der Antworten hervor und vereinbarten weitere Treffen  und zwischenzeitlich Informationen zu  wichtigen Problemen im Verantwortungsbereich der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg / Vorpommern.

Der Vorstandsvorsitzenden Dr. Eckert  wurde eingeladen, auf dem nächsten Sozialpolitischen Gipfel im Jahre 2010 in Schwerin zu sprechen.  Die Einladung wurde angenommen. 


Dr. med. Helmhold Seidlein

Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses beim Landesvorstand des SoVD Landesverband Mecklenburg /Vorpommern