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6. Landesfrauenkonferenz

Der Landesverband M-V lud am 02.09.2019 ins Rostocker Rathaus ein, um gleich zwei Jubiläen zu begehen: "100 Jahre Frauenwahlrecht und 100 Jahre Frauen im Sozialverband Deutschland“. In Anwesenheit der Bundesfrauensprecherin, Frau Edda Schliepack, und der Bundesgeschäftsführerin, Frau Stephanie Rinke, kamen Frauen und Männer zusammen, um sich zu beiden Themen auszutauschen. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Seit 100 Jahren gilt in Deutschland das Frauenwahlrecht, können Frauen wählen und gewählt werden. Ebenfalls vor 100 Jahren nahm unser Verband die ersten Frauen als Mitglieder auf. Der Kampf um die völlige Gleichstellung von Frauen und Männern, tatsächliche Gleichberechtigung der Geschlechter, war damit jedoch noch längst nicht gewonnen und ist es bis heute nicht! Unser Grundgesetz schließt Ungleichbehandlung aus. Täglich wird überall in unserer Gesellschaft gegen dieses Gebot verstoßen.

Die Frauen im SoVD setzen sich deshalb gemeinsam mit den Männern im Verband aktiv, mit viel Engagement und Kreativität für Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Solidarität ein! Auf der 6. Landesfrauenkonferenz sollte mithin nicht nur dieses Doppeljubiläum würdig begangen, sondern auch über Notwendigkeiten und Möglichkeiten, in Deutschland alle geschlechtsbedingten Hürden und Grenzen im gesellschaftlichen Miteinander abzubauen, diskutiert werden.

In zwei beeindruckenden Vorträgen blickten Frau Schliepack und die Politikwissenschaftlerin, Frau Wenke Brüdgam, auf die jeweils hundertjährige Geschichte der Frauen im SoVD und des Frauenwahlrechts zurück.

Frau Schliepack ging u.a. auf den 15. Januar 1919 ein. Dem Tag, an dem der SoVD – damals noch unter dem Namen Reichsbund – einen revolutionären Akt vollzog: Frauen konnten zum ersten Mal Mitglied im Verband werden – mit gleichen Rechten und Pflichten. Das war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung und für die damalige Zeit ein echtes Novum. Denn der Reichsbund war die erste Kriegsopferorganisation überhaupt, die Frauen aufnahm. Seitdem hat sich der heutige SoVD konsequent für die Gleichberechtigung eingesetzt und konnte dabei so manchen Erfolg verbuchen, zum Beispiel mit dem engagierten Kampf für die Anrechnung von Erziehungszeiten bei der Altersversorgung – die sogenannte Mütterrente, so Frau Schliepack. Doch es gibt noch immer viel zu tun – egal, ob es etwa um die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern oder die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege geht. Große Jubiläen sind dazu da, Erfolge zu erinnern und gleichzeitig den Blick nicht nur zurück zu richten, sondern auch nach vorne. „100 Jahre Frauenwahlrecht – 100 Jahre Frauen im SoVD“, ist nicht nur Erinnerung, sondern auch aktuelle Forderung. Denn es bleibt auch heute noch viel zu tun. Wir alle wissen: „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen“. Frauen verdienen jedoch bei gleicher Arbeit und Qualifikation noch immer weniger als Männer. Arbeitgeber sind in der Pflicht, auch in Zukunft weiter Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten auszubauen. Modelle wie das Elterngeld Plus, mit dem Eltern, wenn sie in Teilzeit arbeiten, das Elterngeld länger beziehen können, unterstützen Mütter und Väter.

Vor Ort wurde die Postkartenaktion des Bundesverbandes unterstützt und Unterschriften für die Grundrente für Frauen gesammelt. Die unterschriebenen Karten wurden der Bundesgeschäftsführerin zur Weiterleitung an die Parteien der christlichen Union übergeben.  

Im Anschluss referierte die Vorsitzende der Linke in M-V, Frau Brüdgam, zum Thema Frauenwahlrecht. Sie verwies darauf, dass nach der Einführung des Frauenwahlrechts die Frauen das erste Mal am 19. Januar 1919 wählen und gewählt werden durften. Im Februar hielt die erste weibliche Abgeordnete, Marie Juchacz, eine  Rede. Ihre Anrede „Meine Herren und Damen“ stieß damals noch auf Belustigung bei den Männern – heute ist es für alle eine Selbstverständlichkeit, dass die Damen sogar zuerst genannt werden. Außerdem ist in Deutschland heute schon jedem kleinen Mädchen klar, dass sie einmal beispielsweise Bundeskanzlerin, Ministerin, Parteivorsitzende und Oberbürgermeisterin, Bundes- oder Landesgeschäftsführerin und Bundes- oder Landesfrauensprecherin werden könnte. Aber: Seit der letzten Bundestagswahl 2017 sind im aktuellen Bundestag 5 Prozent weniger Frauen als vor der Wahl – insgesamt nur 31 Prozent.  Deshalb waren sich alle Teilnehmer der Konferenz einig, dass das, was einmal erkämpft ist, auch wieder verloren gehen kann.

Zum Abschluss der Veranstaltung äußerte die Landesfrauensprecherin M-V, Frau Erika Kannenberg, den Wunsch, dass es selbstverständlich wird, dass Frauen und Männer Erwerbs-, Erziehungs- und Hausarbeit gleichberechtigt aufteilen und niemand aufgrund seines Geschlechts in eine bestimmte Rolle oder Aufgabenverteilung gedrängt wird. Und sie wünschte sich, dass das alles nicht weitere 100 Jahre auf sich warten lässt. Denn die Gleichstellung von Frau und Mann ist ein wichtiger Indikator dafür, ob und wie gerecht eine Gesellschaft ist. Alle Anwesenden waren und sind davon überzeugt, dass von der Gerechtigkeit in der Gesellschaft auch ihre Zukunftsfähigkeit abhängt. Und deshalb liegt diese gleichermaßen in den Händen von Frauen und Männern oder Männern und Frauen.

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