Pressemitteilung vom 24.07.2018

Ratschläge eines nicht Betroffenen

Der Bundesgesundheitsminister will schon wieder Geld ausgeben. Die Erfahrung lehrt, auch hier ist er - wie bei seinen Pflegevorschlägen - als Lobbyist unterwegs.

Ärzte sollen mehr arbeiten, sie sollen mehr Sprechstunden anbieten, 5 Stunden pro Tag. Es ist zu hören, die Schönheitschirurgen meint er nicht. War er schon einmal einen Tag lang, wenigstens in einer Hausarztpraxis, in der die Ärztinnen und Ärzte regelhaft 10 bis 12 Stunden arbeiten? Mehr Geld will er den Ärzten dafür anbieten. Wie das? Die Ärzte haben einen Sicherstellungsauftrag. Wie dieser zu realisieren ist, das löst die Kassenärztliche Vereinigung. Bei der gibt es Gesprächsbedarf, aber nicht für mehr Geld, sondern um die Ausgestaltung dieses Auftrages. Noch mehr Patienten bei einem Arzt? Ärzte müssen heute schon Regress befürchten, wenn Sie deutlich über dem Patientendurchschnitt der Facharztgruppe liegen.

Und wie soll das alles funktionieren? Über das Geld.

Es bedarf wenig Phantasie nach den Erfahrungen mit diesem Minister: Mehr Sprechstunden, Terminvergabe nachts, Prämien für langzeitarbeitende Ärztinnen und Ärzte bedeuten höhere Beiträge der Versicherten für die Gesetzlichen und Privaten Krankenkassen. Hinzu kommt noch, dass die Terminvergabestellen bei den Gesetzlichen Krankenkassen so gering frequentiert sind, dass der angebliche extreme Mängel an Facharztterminen in überschaubaren Zeiträumen sich selbst ad absurdum geführt hat. Herr Minister, das ist alles viel zu leicht zu durchschauen.Lassen Sie es einfach.

Sprechen Sie mit den Betroffenen und ihren Verbänden. Sie und wir sagen Ihnen, wo die wirklichen Probleme sind.

Dr. med. Helmhold Seidlein

Landesvorsitzender SoVD Mecklenburg-Vorpommern