Pressemitteilung vom 31.05.2018

SoVD: Beitragsfreie Kita - Qualität vor Quantität

Zur Ankündigung der Landesregierung, ab dem nächsten Jahr für die Betreuung des zweiten und weiterer Kinder keine Elternbeiträge mehr zu erheben und ab 2021 die Kindertagesförderung für alle Kinder komplett beitragsfrei zu stellen, erklärte der Landesvorsitzende des Sozialverbandes Mecklenburg-Vorpommern (SoVD). Dr. Helmhold Seidlein, heute in Rostock:

„Mit Blick auf die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, nach der Eltern in unserem Bundesland 7,8 Prozent ihres Nettoeinkommens für Kita-Gebühren ausgeben, ist die politische Absicht, die Eltern zu entlasten, grundsätzlich zu begrüßen.

Allerdings sind aus unserer Sicht weitere Schritte dringend erforderlich. Denn landesweit fehlen viele Erzieher. Der Betreuungsschlüssel für Kita-Kinder ist in keinem Bundesland so schlecht wie bei uns. Bei den drei bis sechs Jährigen betreut eine einzige Fachkraft 14 Kinder. Nicht wesentlich anders sieht es bei den Krippenkindern aus, dort belegt Mecklenburg-Vorpommern den drittletzten Platz. Und bereits jetzt nehmen viele Einrichtungen schon mehr Kinder auf, als es der ohnehin schlechte Betreuungsschlüssel vorgibt, um den gesetzlich vorgesehenen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz realisieren zu können.

Mit der Gebührenfreiheit, werden noch mehr Eltern ihre Kinder in eine entsprechende Kinderbetreuung geben. Dies kann mit dem derzeit vorhandenen geringen Personal, das jetzt schon überlastet ist, erst recht nicht mehr aufgefangen werden.

Quantität darf nicht zu Lasten der Qualität gehen. Die Selbstanzeige eines Trägers, wie gerade in Brandenburg geschehen, der den vom Gesetzgeber vorgesehenen Personalschlüssel nicht einhalten kann, sollte alarmierend genug auch für M-V sein.

Wir fordern daher die Landesregierung auf, zunächst die notwenigen Rahmenbedingungen zu schaffen und für ausreichend fachlich geeignetes und flächendeckend tariflich bezahltes Personal in den Kitas zu sorgen.

Wenn dies bis Ende 2020 nicht vollständig umsetzbar ist, sollten zunächst die von Armut betroffene oder armutsgefährdete Eltern vollständig von Kitagebühren und etwaigen Zusatzkosten befreit werden.“