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Und wieder eine politische Fehlidee und erfolgloser Aktionismus

Erfahrungen mit den Terminservicestellen der Gesetzlichen Krankenkassen

Facharzttermine zu bekommen sei schwierig, wird immer gesagt. Tatsächlich muss man sich, außer im Notfall, auf eine längerfristige Planung einstellen. Dies liegt nicht an Unlust oder fehlender Bereitschaft der Ärzte oder daran, dass diese in der zur Verfügung stehenden Zeit ausgewählte Patienten betreuen, sondern daran, dass für den Bedarf und die abzurechnenden Leistungsziffern zu wenige Fachärzte praktizieren beziehungsweise zugelassen sind. Die Möglichkeit, Fachpraxen auch ohne Überweisungsschein des eigentlich koordinierenden und filternden Hausarztes aufsuchen zu können, hat die Situation verschärft.

An Praxisärzte Termine vermitteln zu wollen, deren Tag ausgefüllt ist oder an Klinikärzte, die zumeist mehr als einen Achtstundentag haben, diese Idee der Politik war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der SoVD in Mecklenburg-Vorpommern hatte dazu mehrfach Stellung genommen und dieses Verfahren abgelehnt .

Nun liegen nach erste Erfahrungen vor. Die Zahlen sind ernüchternd und bestätigen unsere früheren Einschätzungen: Die Patientinnen und Patienten wollen nicht zu einem vermittelten Arzt, sondern zum Arzt ihres Vertrauens. Dafür nehmen sie auch längere Wartezeiten in Kauf.

Die sogenannten Servicestellen sind hoffnungslos überfordert, weil es eben keine freien Termine gibt, auch zeigen die Rückmeldungen, dass dort nicht immer ausreichende fachliche Kompetenz vorhanden ist. So konnte nur einem Drittel der wenigen Hilfesuchenden tatsächlich ein Facharzttermin vermittelt werden. Dagegen zeigt die Praxis, dass sofern eine Dringlichkeit besteht, wie bisher durch direkte Kontakte des Hausarztes mit der Facharztpraxis schnelle Termine vereinbart werden.

Fazit: Viel Arbeit und Geld für nicht realitätsferne Konzepte im Voraus. Viel Verwaltungsaufwand und somit Mittelverbrauch jetzt. Kein Nutzen für die Mehrzahl der Betroffenen.

Der SoVD M-V fordert deshalb: bessere finanzielle Ausstattung der Facharztpraxen, damit dort mithilfe von mehr und vor allen Dingen qualifiziertem Personal der Patientendurchlauf optimiert und somit bedarfsweise auch zahlenmäßig gesteigert werden kann. Bürokratie muss auf das zwingend Notwendige beschränkt werden. Auch das schafft beim Arzt mehr Zeit für die Rat- und Hilfesuchenden. Die Hausarztpraxen müssen mit fachlicher und apparativer Kompetenz ausgestattet werden, die tatsächlich entlastend für den Facharztsektor wirkt.

Ganz nebenbei: Ärzte, die in Ihrer Praxis für Allgemeinmedizin auch spezialisierte Leistungen erbringen oder diagnostische Maßnahmen durchführen können, sind mit mehr Freude bei der schweren täglichen Arbeit, und solche Praxen werden eher niederlassungswillige Ärzte anziehen, gerade in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern.

Der SoVD wird die weitere Entwicklung kritisch begleiten und das Gespräch mit den Krankenkassen suchen.