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SoVD sieht beitragsfreie Kita äußerst kritisch

Nach dem Willen der Landesregierung brauchen Eltern ab dem nächsten Jahr für die Kinderbetreuung für das zweite und etwaige weitere Kinder nichts mehr zu zahlen (sog. Geschwisterkindregelung).

Ab dem 01.01.2021 soll die Kindertagesförderung für alle Kinder komplett beitragsfrei werden. Das heißt: Sämtliche Beiträge, egal ob für die Krippe, den Kindergarten, den Hort oder die Tagespflege werden staatlich finanziert.

Angesichts dessen, dass nach der neuesten Studie der Bertelsmann-Stiftung Eltern in Mecklenburg-Vorpommern 7,8 Prozent ihres Nettoeinkommens für Kita-Gebühren ausgeben müssen, ist der politische Wille prinzipiell löblich.

Sollte es jedoch ohne weitere Schritte zur geplanten Abschaffung der Kitagebühren kommen, ist das Chaos bereits jetzt vorprogrammiert.

Landesweit fehlen viele Erzieher. Der Betreuungsschlüssel für Kita-Kinder ist in keinem Bundesland so schlecht wie in MV. Zwischen 3 und 6 Jahren betreut eine einzige Person 14 Kinder. Nicht wesentlich anders sieht es bei den Krippenkindern aus, dort belegt M-V den drittletzten Platz. Bereits jetzt  nehmen viele Einrichtungen schon mehr Kinder auf, als es der ohnehin schlechte Betreuungsschlüssel vorgibt, um den gesetzgeberisch vorgesehenen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz realisieren zu können. 

Sollte die Gebührenfreiheit eingeführt werden, ist zu befürchten, dass noch mehr Eltern ihre Kinder in eine entsprechende Kinderbetreuung geben. Dies kann mit dem derzeit vorhandenen geringen Personal, das jetzt schon überlastet/-fordert ist, erst recht nicht mehr aufgefangen werden. Quantität darf nicht zu Lasten der Qualität gehen. Eine Selbstanzeige eines Trägers, wie gerade in Brandenburg geschehen, bei dem dieser den vom Gesetzgeber vorgesehenen Personalschlüssel nicht einhalten kann, sollte alarmierend genug auch für   M-V sein.

Daher fordert der SoVD die Landesregierung auf, zunächst die notwenigen Rahmenbedingungen zu schaffen und für ausreichend fachlich geeignetes und flächendeckend tariflich bezahltes Personal in den Kitas zu sorgen. Sollte dies bis Ende 2020 nicht vollständig umgesetzt werden können, ist nichts dagegen einzuwenden, wenn zunächst von Armut betroffene oder armutsgefährdete Eltern vollständig von Kitagebühren und etwaigen Zusatzkosten befreit werden.