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2020 - Das andere Ostern


Liebe Freundinnen und Freunde,

Die Stille über dem Land in der Karwoche 2020 und zum Osterfest war ungewohnt. 

Vor einem Jahr toste auf den Straßen der Generationenkampf: „Ihr habt mir meine Kindheit, meine Träume gestohlen“ (Greta). Es ging um die Natur, um diese eine Erde. Ein berechtigtes Anliegen, rückblickend wie eine Vorahnung.

Nun wehrt sich die Natur mit Viren, die nach mancher Theorie als die wahren Aliens vor Urzeiten das Leben auf unseren Planeten brachten. Nichts ist mehr, wie es war. Aller „eitel Tand“ (Goethe) ist nicht mehr wichtig. Dasein für andere bestimmt die Schlagzeilen. So scheint es. Ist es wirklich so?

Ja, in vielen Familien, Gemeinschaften, Verbänden ist es so. Es tut einfach gut zu hören, zu sehen und zu erleben, wie Gemeinschaftssinn und Pflichterfüllung in den Vordergrund treten.

Natürlich, Rahmenbedingungen mussten vorgegeben werden. Wenn irgendjemand dadurch unsere Demokratie gefährdet sieht, hat er sich mit Alternativen nicht vertraut gemacht. Die Demokratie lebt nicht durch Verordnungen oder das Unterlassen von Verordnungen. Sie lebt jetzt durch das vorbildliche, verantwortungsbewusste Handeln der Bürgerinnen und Bürger wegen der vorgegebenen Regeln.

Ob alle vorübergehend eingeführten Beschränkungen tatsächlich notwendig waren, das wird die Zukunft zeigen aber die kennt heute bekanntlich keiner. Notwendig waren und sind sie für die Gegenwart. Der wissenschaftliche Ansatz dafür war und ist überzeugend. Gäbe es andere Möglichkeiten, längst wäre ein gesellschaftlicher und politischer Streit darüber entbrannt. Aber selbst die sonst notorischen Besserwisser sind verstummt.

Wir werden bald, recht bald wieder in einen Alltag mit gesellschaftlichen Leben, mit Produktion, mit Kultur, Sport, Schule, Lehre und Studium zurückkehren. Sicherlich haben diejenigen Recht, die dafür ein Konzept fordern. Wir bitten alle, die jetzt in persönliche Nöte, wirtschaftliche Zwänge und krankheitsbedingte Einschränkungen gezwungen wurden, auch weiterhin auf fachlich fundierte Entscheidungen der Politik zu vertrauen. Es geht nicht vordergründig um Mut und Heldentum. Es geht um die Fähigkeit, Verantwortung wahrzunehmen, um Klugheit, Vorsicht, es geht ums Überleben. Wenn wir in unserer schönen dünn besiedelten Heimat vergleichsweise wenig Erkrankungen registrieren oder gar Menschenverluste beklagen mussten, hat das Gründe, die erst wissenschaftlich aufgearbeitet werden müssen und dann vielleicht in einer nächsten Katastrophensituation überall helfen können.  

Ein Konzept für das Wiederaufleben unserer Gesellschaft muss vor allen Dingen Möglichkeiten aufzeigen, wie künftig auf solche Herausforderungen reagiert werden soll. Wir müssen darüber sprechen, welchen Preis dafür zu zahlen jeder bereit ist. Die Entscheidung wird immer davon abhängig sein, welchen Verzicht der Einzelne und die Gesellschaft als Ganzes bereit sind hinzunehmen.

Es muss uns allen klar sein, dass wir nur mit der Natur leben und überleben können. Einen Kampf gegen die Natur werden die Menschen immer verlieren: Die Erde braucht die Menschen nicht!

Wir müssen erforschen welche Gründe es dafür gibt, dass ein Virus das menschliche Leben zum weitestgehenden Stillstand zwingt und wie wir solches künftig verhindern können. Die Ergebnisse der Überlegungen werden das Leben aller Menschen verändern. Alles auf den Klimawandel zu reduzieren greift zu kurz. Überbevölkerung, Raubbau an nicht reproduzierbaren Ressourcen, Globalisierung zur Mehrwertgenerierung, Gesundheit und Krankheit als Ware, Fun und Event vor Pflichterfüllung und Leistung, die Reihe der Fragen, die gestellt und beantwortet werden müssen, ist lang. Ihre Beantwortung ist überlebenswichtig.

Dabei muss jeder einen Beitrag leisten. Keiner kann sich zurückziehen: „Ich nicht!“. Jeder nach seinen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Fertigkeiten und immer auch mit dem Gedanken an die Solidarität. Die Probleme und die Bedrohungen betreffen alle. Die Möglichkeiten ihnen entgegenzutreten sind unterschiedlich. Der Starke muss dem Schwachen helfen und der Schwache leistet seinen Beitrag im Rahmen seiner Möglichkeiten. Teilhabe ist immer ein aktiver Prozess des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Die Coronazeit hat bisher gezeigt, wie das funktionieren kann. Dieses gegenseitig aufeinander achten muss verstetigt werden. Und vergessen wir nicht, dass es auch Gruppen gab, die selbst jetzt ausgegrenzt wurden. Denken wir an Obdachlose und in ihrer Not nicht wahrgenommene Menschen. Sagen wir nicht, wir waren gut. Wir waren es nicht überall. 

Auch für unseren Verband werden die Beschränkungen und Einschränkungen nach und nach abgebaut werden. Dann kehren wir zur offenen Arbeit in den Ortsgruppen zurück, nehmen unsere persönliche Sozial- und Rechtsberatung wieder auf und sprechen Face to Face mit den Politikerinnen und Politikern über die gesellschaftlichen Veränderungen, die kommen müssen.

In der Zeit der Beschränkungen haben viele haupt- und ehrenamtliche im Verband die Arbeit aufrechterhalten, der Landesvorstand hat engen Kontakt mit der regionalen und der Landespolitik gepflegt. Wir waren immer präsent. Dafür spricht der Landesvorstand des SoVD in Mecklenburg - Vorpommern seinen Dank aus.

Der Sozialverband Deutschland bringt sich aktiv in die nun anstehende gesellschaftliche Diskussion um Werte, Ressourcen, Verteilung, Demokratie und Zukunft ein.  

Wir sind fest davon überzeug, dass Probleme, wie sie in der jetzigen Pandemie in Deutschland aufgetreten sind, nur in einem wirtschaftlich, demokratisch und solidarisch starkem Gemeinwesen gelöst werden können.

Wir wünschen all unseren Mitgliedern und ihren Familien und Freunden Gesundheit.

 

Dr. med. Helmhold   Seidlein

SoVD- Landesvorsitzender Mecklenburg - Vorpommern